Silke Lambeck: Herr Röslein (ab 8)
08.03.2007
Helfer in der Not
In der Kinderliteratur wimmelt es von magischen Freunden (und Freundinnen), die einem Kind in Not auf wundersame Art helfen. Der neueste Freund dieser Art ist Herr Röslein.
Für Moritz Freudenreich kommt er genau richtig. Seit der nämlich mit seinen Eltern in eine andere Stadt umgezogen ist, ist sein Leben nicht mehr besonders reich an Freuden, sondern manches läuft schief. Zum einen gibt es Probleme in der Schule, denn bei Moritz in der Klasse sitzen zwei ausgesprochene Fieslinge, die keine Gelegenheit auslassen, den Neuen zu hänseln. Zum anderen hat seine Mutter einen neuen Job und damit einen neuen Chef, der drauf und dran ist, nicht nur permanent die Laune der Mutter zu vermiesen sondern durch die Anordnung von Überstunden oder Urlaubssperren eine ernsthafte Bedrohung des Familienfriedens darstellt. Und mitten in diesem Chaos – Papa hat Moritz nicht wie üblich von der Schule abgeholt, weil Mama in der Hektik die Tage verwechselt hatte – taucht plötzlich aus heiterem Himmel Herr Röslein auf, der in der Wohnung unter Familie Freudenreich wohnt.
Eigentlich müsste dieses erste Zusammentreffen bereits scheitern, denn Moritz weiß genau, dass er nicht mir fremden Männern gehen darf. Herr Röslein reagiert ebenso verständnisvoll wie flexibel; statt in seine Wohnung lädt er Moritz zu einem Picknick im Treppenhaus ein. Bei Kakao und Streuselkuchen erzählt er dem staunenden Jungen abenteuerliche Geschichten von Regenschirmen, die auf Bäumen wachsen und Elefanten, die als Haustiere in der Wohnung gehalten werden. Fasziniert lauscht der Junge dem älteren Herrn, der so ganz anders ist als alle anderen Erwachsenen. Im Treppenhaus beginnt die Freundschaft zwischen den beiden. Herr Röslein ist für Moritz da, auch als sich der Streit zwischen den Eltern zuspitzt. Er zeigt ihm im Park einen winzigen Tiger und zaubert sie nach Afrika, er liefert die besten Kekse und muntert Moritz auf. Wenn er es selbst nicht mehr ganz schafft, dann gelingt es Pippa, der Eisverkäuferin mit einer Portion Eis mit Honigwurzel-Schwarzmeer-Geschmack.
Herrn Rösleins Meisterstück aber kommt erst noch. Dafür hat er sich den Chef von Moritz Mutter ausgesucht.
Irgendwo zwischen Traum und Realität bewegt sich diese herrliche Geschichte, die die Beweise für die sonderbarsten Erlebnisse nicht schuldig bleibt. Herr Röslein ist einfach großartig und längst ahnt man, dass da mehr dahinter stecken muss, als nur ein hilfsbereiter Nachbar. Endlich verbrüdert sich mal wieder einer mit einem kleinen Jungen gegen all die Probleme, ungerechten Erwachsenen und den fantasielosen Alltag in unserer Welt und macht sie ein bisschen besser.
Andrea Wanner
Silke Lambeck: Herr Röslein
Illustriert von Karsten Teich.
Bloomsbury 2007.
Gebunden. 119 Seiten. 12,90 Euro.
Ab 8 Jahren.
ISBN 3-8270-5197-4