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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:11

 

A. Wendt: Prinzessin Zartfuß und die sieben Elefanten (ab 7)

07.06.2007

Tanze, tanze, bis man dich erkennt
„Es war einmal ein dickes Kind, ein Mädchen von zwölf Jahren ...“, singt Hermine am Ende des Märchens über sich selbst. Sie weiß: Sie ist nicht nur besonders groß und schwer. Sie hat auch zwei liebliche zarte Füße, weswegen sie sich Prinzessin Zartfuß nennt. Und diese macht sie sich zunutze. Mit ihrem Tanz und ihren Freunden, den sieben Elefanten, wird sie in der ganzen Welt berühmt.

 

Die sieben Elefanten lernt sie kennen, als sie mit ihrem o­nkel Lysander während eines Erdbebens durch das Gebirge fährt und ein riesiger Felsbrocken ihnen die Straße versperrt. Viele Menschen kommen den Berg hinauf: ein berühmter Dirigent, ein Kranräuber, ein Polizist und auch ein Zirkusmann mit seinen sieben Elefanten ...
Sie alle möchten das Hindernis überwinden. Aber so einfach lässt sich der Felsbrocken nicht beiseiteschaffen. Hermine hat eine Idee: Die Elefanten sollen auf dem Felsbrocken tanzen, damit dieser sich zur Straße absenken kann.
Der Autor Albert Wendt lässt in seiner Geschichte Personen agieren, die ganz bestimmte Charaktere verkörpern und schrill und komödiantisch daherkommen: der berühmte Dirigent, ein grau gelockter Herr, arrogant und nervös, das Paar Kranräuber und Polizist, grotesk und komisch, o­nkel Lysander nüchtern und rational, der Chef-durch-und-durch, die strenge Dame, der freundliche Herr aus dem vergessenem Buch und der energische Herr.
Sie alle denken nur an ihren Vorteil und verspotten Hermine, weil sie so dick ist. Hermine dagegen, selbstbewusst, lässt sich die Kränkung nicht anmerken und sucht für alle einen Ausweg. Selbst als das Mädchen ihre Idee preisgibt, die allen helfen soll, weiterzukommen, verhöhnen sie Hermine mit böser Lust: „sie wurden immer lauter, sie kreischten, sie quiekten, sie blökten. Und als das Orchester sich in einen Rausch spielt und der Felsbrocken sich zu weit nach unten senkt, ist schnell die Schuldige gefunden: Hermine.
Um so mehr sind alle von Hermines fantastischem Tanz erstaunt. Ihre Hänseleien verstummen, das Publikum flüstert und bewundert ihr zarten Füße. Selbst die strenge Dame findet keine lästernden Worte und kreischt einfach lauter, als der freundliche Herr ihr zurief, dass er noch nie etwas so Schönes gesehen habe. Der Dirigent preist die Tanzende und möchte Tag und Nacht für ihren Tanz musizieren.
Mit viel Witz, Fantasie und Komik lässt Albert Wendt eines der seltensten Orchester der Welt spielen. Wie schnell der Dirigent, den die Leidenschaft packt, geeignete Instrumente findet, bewegt eigentlich jeden zum Schmunzeln: aus dem Auto wird eine Kesselpauke, aus dem Schirm ein Schlagstock, aus einem Dieseltrichter eine Trompete, aus unterschiedlich gefüllten Weinflaschen ein Xylophon ...
Interessant ist, dass das Buch auf einem Kindertheaterstück von Wendt basiert, und dass es außerdem ein Hörspiel gibt. Nun also die epische Form! Dem Text sind doppelseitige Illustrationen beigefügt, die in Grau-und-Rot-Tönen gehalten werden. Sie charakterisieren die Personen im Bild und zeigen immer wieder Hermine in ihrem roten Kleid, das aus den eher düsteren Bildern herausleuchtet, eine lebensfrohe Stimmung verbreitet und das Besondere ihrer Person hervorhebt.
Und weil im Märchen das Gute über das Böse siegt, schaukeln Prinzessin Zartfuß und die sieben Elefanten in die rote Abendsonne. Die nur auf ihren Vorteil bedachten Leute aber lassen sie hilflos und bettelnd zurück.
Und wenn sie nicht gestorben ist, so tanzt Prinzessin Zartfuß heute noch ...

Gabi Schulze


Albert Wendt: Prinzessin Zartfuß und die sieben Elefanten
Illustrationen von Maria Blazejovsky
Verlag Jungbrunnen, Wien, 2007
cell. Pappband, 72 Seiten, 12,50 ¤
Ab 7 Jahren
ISBN: 3-7026-5780-2

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