Hilary McKay: Ein Gefühl wie beim Fliegen (ab 11)
28.06.2007
Nichts Verrücktes, eher etwas Besonderes Immer wenn Rosa ihre Angst überwindet, überkommt sie ein Gefühl wie beim Fliegen: Wenn sie nachts bei heftigem Gewitter barfuß durch den Park rennt, wenn sie Leute zum Lachen bringt und diese deshalb nicht über sie lachen können ... Doch als sie bei Maggys Hochzeit ihren ganzen Mut zusammennimmt und beherzt ins Geschehen eingreift, will sich das wunderbare Gefühl wie beim Fliegen nicht einstellen.
Rosa, die Jüngste, steht im Mittelpunkt des turbulenten Lebens der außergewöhnlichen Familie Casson. Ringsum Rosa agieren ihre Geschwister: Indigo, ihr Bruder, Safran und Maggy, ihre beiden Schwestern. In ihren Geschichten geht es immer wieder um die Liebe, ums Liebhaben und um Rosa, die weiß, dass man etwas Besonderes tun muss, um eine bestimmte Sache zu erreichen. Auf ihre liebevolle und herzliche Art mischt sie sich ins Geschehen der Familienmitglieder ein. Indigo zum Beispiel möchte gern, dass Sarah, Safrans an den Rollstuhl gefesselte Freundin, zur Valentinsdisco kommt und holt sich bei Rosa Rat. Diese entfaltet gerade ihr Künstlertalent und bastelt statt einer Valentinskarte zwanzig Stück, die alle ihrem besten Freund Tom zugedacht sind. Zwanzig Valentinskarten sind etwas Besonderes! Auch Indigo denkt sich etwas Besonderes aus, um Sarahs definitives „Ja“ zur Disco zu erhalten. Safran versteht nicht, warum Rosa einen nachtschwarzen Pappflickenhimmel bastelt, den sie mit Ballonfetzen beklebt, die wie Silberdiamanten funkeln. Sie hat zum einen Probleme mit Oscar, der sie und Rosa samt Auto im Moor stehen lässt. Außerdem bedrückt sie der letzte Besuch bei ihrer kranken Freundin Sarah und sie plagen schlimme Gewissensbisse. Anders als Rosa interessiert sich Safran weniger für den nachtschwarzen Himmel, dessen Sterne und deren Geschichten. Umso mehr freut sie sich über Rosas Himmel, an dem sie ihren Namen lesen kann. Und damit hat Rosa wieder etwas Besonderes geschaffen Auch in Maggys Geschichte spielt Rosa eine entscheidende Rolle. Als Maggy Alex, den „wahrscheinlich Richtigen“, heiraten möchte, kommt Rosa zunehmend in Bedrängnis, denn sie hat Michael, dem Freund ihrer älteren Schwester, versprochen, auf Maggy aufzupassen, während er durch Europa reist. Als zur Trauung keiner ohnmächtig wird oder schreiend in die Kirche rennt, als all die Besonderheiten, die Kiran, ihre Freundin, bei Hochzeiten beschrieben hatte, nicht eintreten, wird sie sehr unruhig und nimmt die Sache endlich selbst in die Hand.
Die Autorin malt ein buntes Bild der Familie Casson, die scheinbar chaotisch ihren Alltag meistert. Rosas quicklebendige, naive Art, ihre originellen Einfälle und Überraschungen haben positive Auswirkungen auf das Verhältnis zu ihren Geschwistern. Sie agiert selbstbewusst als Jüngste in deren Mitte, wird von ihnen akzeptiert und um ihre Meinung gebeten. Als Rosa Maggys Hochzeit auf ihre Art regeln möchte, hängt jedoch der Haussegen zunächst einmal schief. Aber wer die Casson-Familie aus anderen Büchern kennt, weiß, dass Hilary McKay den Ausgang der Geschichte traditionsbewusst mit echtem britischem Humor enden lässt.
Ein amüsantes Lesevergnügen für alle, die sich von Rosas Ideen anstecken lassen und gern mal etwas Besonderes vollbringen, das anderen womöglich verrückt erscheint!
Gabi Schulze
Hilary McKay: Ein Gefühl wie beim Fliegen Aus dem Englischen von Irmela Brender Verlag Friedrich Oetinger GmbH, Hamburg 2007 Gebunden, 192 Seiten, 10,90 ¤ Ab 11 Jahren ISBN: 3-7891-4215-4
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