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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:14

 

Gregory Rogers: Der Bär im Zauberwald (ab 5)

30.07.2007


Zauberhafter Märchenspuk


So kann man einen Sommertag genießen: sich entspannt in einem kleinen Boot einen Fluss hinunter treiben lassen. Das Leben genießen. Und einfach mal abwarten, was dann passiert.

 

Gemütlicher kann man einen heißen Sommertag gar nicht angehen. Der Fluss wirkt angenehm kühlend und der Wald, der sich rechts und links am Ufer erhebt, spendet Schatten. Der Bär wirkt ein bisschen wie Balu: ein dicker Faulenzer, der weiß wie man es sich gut gehen lässt. „Probier’s mal mit Gemütlichkeit…“ hört man ihn fast schon singen. Er macht ein Nickerchen, wird von Geräusch geweckt, vergewissert sich, dass es nur ein Fisch war, gähnt, reckt sich, schläft weiter. Das einzige, was verblüfft, ist seine Kleidung: auf dem Kopf trägt er einen kleinen Ritterhelm und um die Schultern einen blauen Umhang.

Irgendwann treibt das Boot ans Ufer, er steigt aus, macht einen kleinen Waldspaziergang.
Schluss mit Gemütlich. Nun wird’s dramatisch. Er holt sich nur ein ganz kleines bisschen Honig von den Bienen und wird prompt gejagt. Zu einem Baum, der eine Tür hat. In einen dunklen Gang. Und auf der anderen Seite steht er im Zauberwald. Jetzt geht’s Schlag auf Schlag. Unser Bär, auf Daumengröße geschrumpft, entpuppt sich als wahrer Held, der todesmutig in den Kampf wagt gegen das Böse wagt und – natürlich – am Ende dem Guten zum Sieg verhilft. In rasantem Tempo reiht sich in bewährter Comicmanier Bild an Bild, jedes randvoll mit liebevoll beobachteten Details. Ja, wir haben ihn falsch eingeschätzt. Er kann galant sein, ritterlich, behände, kämpferisch.

Der australische Bilderbuchkünstler Gregory Rogers verrät seine Inspiration: Shakespeares Midsummer Night’s Dream. Im englischsprachigen Originaltitel wird der Bär zum Midsummer Knight – leider ein Wortspiel, das auf Deutsch nicht funktioniert. Ein Ritter. Daher der Helm und der Umhang. Aber das ist auch das einzige Mal, dass die Übersetzung von einer Sprache in die andere an ihre Grenzen stößt, denn: mehr Worte gibt es nicht. Ein Abenteuer, das problemlos für einen ganzen Roman herhalten könnte, braucht kein weiteres Wort. Der Zauber funktioniert. Er wirkt bei dem Bären. Er wirkt bei uns. Wir sehen, hören, riechen. Wir sind dort, Seite an Seite mit unserem tapferen Freund. Oder war das am Ende alles nur ein Traum? Mitnichten. Der Bär hält den Beweis in Händen. Und wir sind stolz auf ihn!

Andrea Wanner



Gregory Rogers: Der Bär im Zauberwald. Ein Sommernachtstraum. Moritz 2007. Gebunden. 32 Seiten. 12,80 Euro. Ab 5 Jahren.

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