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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:14

 

Eoin Colfer: Tim und der schrecklichste Bruder der Welt (ab 6)

06.09.2007


Und die Moral von der Geschichte?

Wahrscheinlich kein ganz seltenes Phänomen: ein Kind ist sich sicher, immer ein bisschen schlechter wegzukommen als die Geschwister. Wer holt sich am meisten von den Eltern? Für Tim ist das keine Frage: er ist in dieser Hinsicht der absolute Verlierer.

 

Es geht um die elterliche Zeit für Probleme. Bei zwei Eltern und fünf Kindern keine leicht zu meisternde Angelegenheit. Tim hat Beweise: sein älterer Bruder und seine drei jüngeren Brüder haben alle ihre Lieblingsprobleme, mit denen sie sich die Zeit von Mutter und Vater ertrotzen. Tims Problem ist, dass er eigentlich kein Problem hat. Also hört ihm auch keiner zu. Der 10jährige Marty jammert, dass er ein Motorrad kriegt, Donnie klagt über seine Frisur, Bert kommt mit der „Kriegichn…“-Masche und versucht Süßigkeiten zu ergattern und der Jüngste, HP (halbe Portion) heult den ganzen Tag „Sisgemein“. Keine Chance für Tim. Bis ihm einfällt, dass er ja auch noch einen Großvater hat. So wird der wöchentliche Großelternbesuch für Tim die lang ersehnte Gelegenheit, auch seinen Kummer los zu werden.

Tims Großvater ist Leuchtturmwächter – natürlich ist das auch Tims späterer Berufswunsch – und genau so, wie man sich den idealen Großvater vorstellt: geduldig, klug, warmherzig, einfallsreich. Ein bisschen fühlt man sich an James Krüss und sein berühmtes „Mein Urgroßvater und ich“ erinnert. Und dieser wunderbare Großvater findet eine Lösung: Tim darf ihm seine Probleme anvertrauen und der Großvater lädt im Gegenzug seine Probleme bei Tim ab. Eine „Trauergeschichte“ pro Woche als eine Art Wettkampf. Wer die bessere hat, gewinnt. Tim findet den Deal wunderbar – bis er feststellen muss, dass die schrecklichen Dinge, die sein Opa erlebt, die eigenen Katastrophen Woche für Woche in den Schatten stellen. Bis… Ja, bis ihm sein Vater ein echtes Trumpfass in die Hand gibt. Die fürchterliche Geschichte, die von Tim als ganz kleinem Jungen und seinem großen Bruder Marty handelt. Die Geschichte vom schrecklichsten Bruder der Welt eben. Und die ist nicht zu übertrumpfen.

Eoin Colfer Geschichten vermitteln Geborgenheit, Zuneigung und Nähe auf eine besondere Weise. Nach „Tim und das Geheimnis von Knolle Murphy“ und „Tim und das Geheimnis von Captain Crow“ ist das nun bereits das dritte Abenteuer, das mit viel Sprachwitz, originellen Ideen und herrlichen Illustrationen von Tony Ross ungeahnte Einblicke in die kindliche Seelenlage bietet. Am Ende bleibt so ein typischer Erwachsenenspruch: „In der Geschichte steckt eine Moral für dich, verstehst du?“ und eine wunderbare Gegenfrage: „Was ist eine Moral?“ Wir verstehen es am Ende. Tim auch.

Andrea Wanner


Eoin Colfer: Tim und der schrecklichste Bruder der Welt. Beltz & Gelberg 2007. Gebunden. 96 Seiten. 9,90 Euro. Ab 6 Jahren.

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