Ratlos steckt ein dick vermummter Vater mit einer Axt in der Hand im Wald. Was er braucht ist natürlich ein Weihnachtsbaum. Was er findet, sind nur Baumstümpfe: Da waren andere eindeutig schneller als er. Guter Rat ist teuer, aber eine Lösung muss her!
Die Geschichte des tschechischen Schriftstellers Ludvik Askenazy ist längst ein Klassiker, der es schon in Grundschullesebücher geschafft hat. Was wäre Weihnachten ohne Baum? Deus-ex-Machina-mäßig betritt nun ein Hirsch die Szene und priest sich selbst als Ersatzweihnachtsbaum an. Er wolle schon immer ein Weihnachtsbaum werden, sein Geweih sei wunderbar bemoost, es glitzere und rieche außerdem nach Tannennadeln. So scheint beiden geholfen, Vater und Hirsch. Christbaummäßig verpackt schleppt ein glücklicher Mann das Tier unter dem Arm nach Hause. Am Weihnachtsabend steht tatsächlich ein wundervoll geschmückter Hirsch unbeweglich im Weihnachtszimmer, bestückt mit farbigen Kugeln und brennenden Kerzen. Und die Spitze seines Geweihs ziert ein goldener Stern. Die Kinder sind restlos begeistert. Er spielt seine Rolle auch echt überzeugend. Bis er schließlich vergisst, dass ein Weihnachtsbaum nicht röhren darf und prompt aus der Rolle fällt.
Mit dem bezaubernden Weihnachtsmärchen von besonderen Wünschen und ihrer Erfüllung hat Katja Wehner nach „Hasen pfeifen nicht“ zum zweiten Mal eine Geschichte von Askenazy in Szene gesetzt. Liebevoll bringt sie die Mimik von Mensch und Tier zu Papier, gibt ihren Helden etwas Ironisch-Verschmitztes und lässt ihre Liebe zum Detail erkennen, wenn sie parallel zum Text die Story mit Bildern erzählt, so dass wir schon fast keine Worte mehr brauchen.
Weihnachten ist ein Fest voller Wunder. Wer noch ein kleines sucht, liegt mit dem hübsch gemachten Halbleinenband genau richtig.
Andrea Wanner
Ludvik Askenazy: Der lebendige Weihnachtsbaum
Aufbau Verlag 2007
Gebunden. 32 Seiten. 12,95 Euro.
Ab 5 Jahren.
ISBN 3-351-04077-2