Chiara Carrer / Marco Carrara: Das verrückte Haus
20.02.2004
Verrückter Bilderbuchspaß
Heimkommen in die eigenen vier Wände ist doch etwas Schönes. Nach einem langen Tag tut es jedem gut, es sich zuhause gemütlich zu machen. Auch Frau Fröhlich findet, dass es daheim am schönsten ist. Aber als sie an diesem Tag das Haus Nr. 63 in The Street Viavai betritt, ist alles anders als sonst.
Ein ausgehungerter Hund empfängt Frau Fröhlich, die vor dem Kühlschrank ihr blaues Wunder erlebt. Eben noch voller Köstlichkeiten frisst der Kühlschrank sie alle kurzerhand alleine auf. Und das ist er der Anfang eines wirklich erstaunlichen Erlebnisses. Der Tisch rennt davon, der Stuhl hüpft meterhoch in die Luft, der Teppich rollt sich inklusive Frau Fröhlich ein. Der Fernseher, der Kleiderschrank und die Badewanne halten weitere Überraschungen bereit. Das Erstaunlichste aber ist: Frau Fröhlich lässt sich kein bisschen aus der Ruhe bringen. Das verrückte Haus setzt zwar alles daran, aber irgendwie gelingt es ihr, ganz souverän und tolerant zu formulieren: „Jeder braucht seine Freiheiten, sogar das kleinste Haushaltsgerät.“
Marco Carrara hat sich eine verwegene Geschichte ausgedacht, die die häusliche Sicherheit und Geborgenheit auf äußerst amüsante Art in Frage stellt. Mit comicartigen Collagebildern zerlegt die Bilderbuchkünstlerin Chiara Carrer die Situationen, die Frau Fröhlich erlebt, in viele kleine Einzelszenen, die sich auf den Doppelseiten wieder zu ausdrucksstarken Gesamtbildern zusammensetzen. Sie spielt mit dem Text, nimmt ihn wörtlich, wenn beispielsweise der Fernseher seine Zuschauerin zu verschlucken versucht, denn „Wer würde nicht gern einmal ins Fernsehen kommen?“ Ein eigenwillig illustrierter, verrückter Bilderbuchspaß.
Andrea Wanner
Chiara Carrer / Marco Carrara: Das verrückte Haus.
Picus 2003. Gebunden. 32 Seiten, durchgehend farbig.
Bilderbuch ab 3 Jahren. 14,90 Euro.
ISBN 3-85452-869-8