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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:19

 

Brian Selznick, Die Entdeckung des Hugo Cabret (ab 10)

01.05.2008

Als die Bilder laufen lernten

Hugo Cabret, ein zwölfjähriger Waisenjunge im Paris der 30er Jahre, macht eine ebenso sensationelle wie rätselhafte Entdeckung. Und alles beginnt in einem Bahnhof mit einem Diebstahl.

 

Aber es beginnt anders als erwartet. Eine kurze Einführung vor der eigentlichen Geschichte warnt den Leser vor: Stellt euch vor „im Dunkeln zu sitzen wie zu Beginn eines Kinofilms. Gleich wird auf der Leinwand die Sonne aufgehen und ihr erlebt, wie euer Blick auf einen Bahnhof mitten in einer Stadt zuzoomt. Dann führt die rasante Fahrt durch die Eingangstüren hinein in die überfüllte Bahnhofshalle. Schließlich werdet ihr in der Menschenmenge einen Jungen entdecken und der Junge wird sich auf den Weg durch den Bahnhof machen. Folgt ihm, denn das ist Hugo Cabret.“

Der Leser weiß nun eigentlich, was auf ihn zukommt – und ist dennoch verblüfft, bis zur Seite 56 auf kein einziges Wort sondern nur auf Schwarz-Weiß-Illustrationen von Brian Selznick zu stoßen. Wenn einem dann die ersten Sätze begegnen, merkt man schnell, dass die Illustrationen nicht reine Dekoration sind, sondern selbst ihren Teil der Geschichte erzählen.

Also am besten noch einmal zurück zum Anfang. Wir kennen Comics und wissen mit Bildern umzugehen. Aber das hier ist neu. Bild und Text wechseln sich ab ohne sich zu wiederholen, ergänzen sich. Etwas ein Drittel der über 500 Seiten sind Zeichnungen – und das tröstet vielleicht all diejenigen, die sich sonst von so vielen Seiten abschrecken lassen.

Wir folgen also Hugo und erfahren von seinem Diebstahl an einem Spielwarenstand. Aber weit davon entfernt nur ein gemeiner Dieb zu sein, verfolgt der Junge damit ein besonderes Ziel.

Bildsequenz um Textblock arbeiten wir uns mit Hugo näher an die Geheimnisse: das seines Vaters; das des Mädchens, das immer wieder am Spielzeugstand auftaucht; das der gestohlenen mechanischen Spielzeugmaus; das der Spielwarenhändlers. Der New-York-Times-Illustrators und Autor Brian Selznick entwickelt seinen eigenen Stil, einen unverwechselbaren Rhythmus, der sich eng an Fahrten und Schwenks mit der Kamera anlehnt. Schon bald nimmt dieses eigenartige Wechselspiel ganz gefangen, fasziniert und gibt neue Rätsel auf. Was steckt hinter all dem?

Wenn Lesen bedeutet, im Kopf einen eigenen, persönlichen Film abzuspulen, dann hat Selznick eine raffinierte Methode erfunden, den Film in Gang zu bringen.

Sein Buch, eine Hommage an den Filmpionier Georges Méliès, den Zauberkünstler des frühen Films, und die Kindertage des neuen Mediums, ist eine einzige Überraschung, die neue Seh- und Leseweisen fordert. Also: Licht aus. Gleich wird auf der Leinwand die Sonne aufgehen.

Andrea Wanner


Brian Selznick: Die Entdeckung des Hugo Cabret. cbj 2008. Gebunden. 544 Seiten. 19,95 Euro. Ab 10 Jahren. ISBN 3-570-13300-2

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