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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:21

 

Lida Dijkstra: Guck mal, wie niedlich!

18.09.2008

Ist er niedlich oder ist er cool?

Nicht immer passt einem die Rolle, in der man gesehen wird, manchmal ist man sie einfach leid und muss mal was anderes ausprobieren. Ob das dann besser passt oder nicht, wird man dann schon sehen.
Von Georg Patzer

 

Niedlich? – Niedlich??? Gibt es wohl was Schrecklicheres für einen kleinen Hasen, als wenn man ihm ständig sagt: Och, ist der niiiiiedlich! Nein, das gibt es wohl nicht. Also beschloss Tobi, „ein kleiner, weicher, wuschliger Hase“, etwas dagegen zu tun. Zuerst kaufte er sich eine coole Sonnenbrille und stolzierte hin und her. Das fanden aber alle immer noch „niedlich“. Dann ließ er sich ein Tattoo machen und einen Ring ins Ohr und knurrte vor sich hin. Obercool. Da waren sie dann schon stiller. Und dann besorgte sich Tobi ein Motorrad und „knatterte und qualmte“ durch die Gegend, und einmal fuhr er sogar auf dem Hinterrad.

Jetzt fand ihn keiner mehr niedlich, denn das Motorrad stank schon ordentlich. Aber dann traf er eines Tages plötzlich Tine, sie war „klein, weich und wuschelig, richtig zum Knuddeln“, und Tobi fand sie niedlich. Aber sie mochte ihn nicht: „Hau ab, du Ekel“, sagte sie.

„Guck mal, wie niedlich!“, das Bilderbuch von Lida Dijkstra und Marije Tolman erzählt eine ganz einfache Geschichte. Von einem kleinen normalen Hasen, den seine Rolle, in die er hineingeboren wurde, überhaupt nicht gefällt. Der nicht mehr „niedlich“ sein will. Kann man ja verstehen. Immer nur niedlich zu sein, egal was man macht, das ist auf Dauer ja schon etwas eintönig.

Deswegen verändert er sich, wird eklig, laut und anstrengend. Er spielt eine neue Rolle. Bis ihn die Liebe trifft, und er merkt, dass er so ja gar nicht ist. Weil Tine ihn so sieht, wie er zu sein scheint, ein Ekel. Und da ändert er sich dann.

Denn natürlich geht die Geschichte gut aus: Tobi wirft seine fetzigen Klamotten weg, verschenkt das Motorrad mitsamt Helm und cooler Sonnenbrille und obercoolem, langem Mantel und ist wieder niedlich. Schenkt Tine einen Blumenstrauß, zieht bei ihr ein und kuschelt mit ihr im Schaukelstuhl gen Frühling.

Zum Glück vermeidet das Buch den pädagogischen Zeigefinger, der hier und da schon um die Ecke lugt. Denn am Schluss, im Frühling, kommen zwölf kleine Hasen, die sind „weich und wuschelig. Und natürlich auch: rotzfrech!“

Und damit hört das Buch auch auf. Auf der letzten Seite springen die Häschen herum, beklecksen sich und die Bäume mit roter Farbe, schmeißen mit riesigen Keksen um sich, kacken von der Toilette nach außen, rasen gegen einen Topf… Ein buntes, aufregendes Leben, ganz ohne Anstrengung. Denn kleine Hasen sind nun mal so.

So wie die letzte Seite sind alle Illustrationen: bunt, niedlich-frech und voller kleiner Überraschungen, die ganz liebevoll und niedlich versteckt sind. Da sind dann zwei Leitersprossen in der krummen Leiter plötzlich rot, eine kleine Maus wohnt im Baum, in dem zwei Laternchen vor ihrem Türloch angebracht sind, ein Uhu hält mit Tobis Ohrring um die Hand einer Uhufrau an, und die Schachfiguren sind zebragestreift und schäfchenbewollt.

Ganz ernst nehmen kann man also den pädagogischen Appell nicht. Es heißt nicht: So darfst du nicht sein. Und das ist auch gut so. Aber so sein, wie man wirklich ist, das sollte man dann schon. Und wenn die anderen anders sind, die eigenen Kinder gar, dann ist das auch schön.

Georg Patzer


Lida Dijkstra: Guck mal, wie niedlich! Mit Illustrationen von Marije Tolman Übersetzt von Barbara Küper Moritz Verlag 2008 Gebunden. 32 S., 11,80 Euro ab 3 Jahren ISBN 9783-389565-195-3

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