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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:21

M. Schrag / A. Wagener: Das Astrid Lindgren Kochbuch

13.11.2008

Zum Anbeißen

Beim Anblick der lachenden, im Kochtopf rührenden Pippi Langstrumpf gibt es nur eins: in die Tiefen der Erinnerung abtauchen und sich ganz der Vorfreude auf all die Leckereien hingeben, die in Kindertagen die Phantasie Purzelbäume schlagen ließen. Von ANNETTE C. HOCH

 

Opulent bebildert kommt das Astrid-Lindgren-Kochbuch daher – die Originalillustrationen aus den dazugehörigen Büchern ziehen sich durch die gesamten 104 Seiten. So begegnet man noch vor dem ersten Buchstaben Michel aus Lönneberga, wie er kopfüber in einem Topf Blaubeersuppe steckt: Vorgeschmack auf ein Wiedersehen mit Freunden, die man vor Jahrzehnten aus den Augen verlor, die einen jedoch immer begleiteten.

Mamke Schrag und Andreas Wagener haben sich die Mühe gemacht, alle wiederzufinden: Michel aus Lönneberga, die Kinder aus Bullerbü, Madita, die Kinder aus der Krachmacherstraße, die Feriengäste aus Saltkrokan, Karlsson vom Dach. Und natürlich Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf... Pippi, die Ur-Amazone, grenzenlos freie Geistesschwester aus Kindertagen.

Sie alle kommen in dem liebevoll gemachten Band zusammen, und auch wer keine der Figuren kennt (was – zugegebenermaßen – zumindest bei Pippi der Unerreichten unwahrscheinlich ist), ist eingeladen zu diesem Kinderfest für Erwachsene. Denn als Geschenk locken die schönsten Rezepte aus Astrid Lindgrens Erzählungen. Schließlich ist das Werk der Mutter aller Geschichten nicht nur von schier unerschöpflicher Phantasie geprägt, sondern auch von einer ordentlichen Portion Sinnenfreude. Und da Essen bekanntlich eine der sinnlichsten Erfahrungen ist, wird in all ihren Geschichten gegessen, getrunken – und goutiert.

Das Autorenpaar hat die typischen Rezepte zusammengetragen: Klassiker wie Köttbullar (Hackfleischbällchen), die an vielen Stellen auftauchen, und Heißgeliebtes wie Pfannkuchen, deren Duft sich unauslöschlich ins Unbewusste des Erwachsenen, der einst Kind sein durfte, eingebrannt hat.

Offensichtlich sind Mamke Schrag und Andreas Wagener immer noch Kinder: „Wir haben uns beim Lesen – und Vorlesen – oft gefragt: Was genau ist eigentlich Fischpudding? Wie, um Himmels willen, macht man Sirupbrot? Und wie schmecken wohl die Zuckerkringel, die Abbe, der Nachbarsjunge in den Madita-Geschichten, tagtäcklich backt?“

Mit unstillbarem Entdeckerhunger haben sie Kochbücher gewälzt und die schwedischen Originalrezepte zusammengetragen: von Ananaspudding, eingelegten Gurken und Haferkeksen über Malzbonbons, Mehlklöße in Fleischbrühe, Prinzessinnentorte, Speckstippe und Steckrübenmus bis zum Zuckerkuchen.

Das Buch ist in sieben Kapitel aufgeteilt, die sich jeweils mit einem von Astrid Lindgrens Kinderbüchern beschäftigen. Eine Einleitung zum entsprechenden Buch und seinen Figuren geht jedem Kapitel voraus. Die Rezepte stehen im Kontext der Geschichte, in denen sie eine Rolle spielen, und sind von der passenden Textstelle umrahmt: „'So, und was isst du am liebsten?', fragt Tante Karlsson. Lisabet denkt nach. 'Schokoladenpudding... und Pudding... und anderen Pudding.'“

Schokoladenpudding und Pudding und anderer Pudding: all das findet sich in diesem wunderbaren, liebevoll gemachten Kochbuch. Zwei Register – ein alphabetisches, eins nach Kategorien – machen das Auffinden leicht, ein Kapitel „Das passt zusammen“ weckt den Appetit auf Picknick, Buffet oder Nachmittagskaffee, und das Vorwort gibt einen Einblick in die Grundzüge der schwedischen Küche.

Das Buch macht hungrig. Aber nicht nur aufs Essen. Nein, es weckt auch den Reisehunger. Nach Schweden und einer Reise ins Land der Geschichten von Astrid Lindgren. Und auf eine Reise ins Land der eigenen Geschichten, Erinnerungen und Phantasien: zum Wiedersehen mit allen phantastischen Gefährten von damals.

 

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