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Pija Lindenbaum: Paul und die Puppen. (ab 4 Jahren)

27.11.2008

Jungs spielen Fußball

Jungs spielen Fußball, Mädchen spielen mit Puppen. So ist es und so bleibt es. Und so ist es auch richtig. Denn Fußball ist ja ein Jungssport, und Puppen sind ein Mädchenspiel. Nur Paul hat keine Lust dazu. Von Georg Patzer

 

Paul ist ein Klassefußballspieler, der beste: Alle wollen ihn in ihrer Mannschaft haben. Sein Vater ist groß und stark und stolz auf ihn. Am ersten Tag im Kindergarten ist noch alles normal: die Jungs machen erst Quatsch, dann raufen sie, machen Ringkämpfe. Typische Jungsspiele. Paul aber macht nicht mit, dieses Geraufe langweilt ihn genauso wie das ständige Fußballspielen und Stolzdaraufsein.

Nachdem die Erzieherin sie ermahnt hat, spielen die Jungs Krieg. Auch das ist etwas zu unruhig, die Erzieherin liest vor, etwas von einem Mädchen und ein paar Wölfen. Dann gibt es Pfannkuchen, und als es regnet, spielen die Kinder drinnen weiter. Die Jungs bauen Kampfroboter. Und Paul klebt auf seinen Roboter „Goldböppel“, weil das gut aussieht. Aber leider geht er kaputt, so kann er ihn nicht seinem Vater zeigen.

Am nächsten Tag schießen die Jungs Paul den Ball zu, Aber Paul will heute nicht. Heute will er mal was anderes machen. Er geht zu den Mädchen in die Puppenecke und packt seine Puppe aus. Sie heißt Barbie. „So kann sie doch nicht heißen“, sagt Mira. Aber ansonsten beachten sie ihn gar nicht. Sie spielen Meer im Klo und Winter in der Tiefkühltruhe, und dann kriegt eine Puppe ein Fleischbällchen als Kind. Paul steht ein bisschen daneben, spielt etwas mit, aber gehört nicht richtig dazu. Aber dann lassen sie Paul und Barbie doch mitspielen, Agnes seufzt: „Von mir aus“. Als die Erzieherin eine Kiste mit Kleidern hinstellt, fangen alle an, sich zu verkleiden, mit Stöckelschuhen, glänzenden Röcken und geblümten Rüschel.

Es ist gar nicht so einfach, ohne moralischen Zeigefinger von rollenunspezifischem Verhalten zu erzählen. Es ist ja auch für Eltern nicht einfach, sich das erstmal selbst abzugewöhnen: Zu den Mädchen zu sagen, sie sollen sich nicht schmutzig machen, zu den Jungs aber nicht. Den Jungs Werkzeug zu schenken und den Mädchen Puppen. Für die Kinder ist es einfacher: Die machen einfach, wenn man sie lässt.

In Pija Lindenbaums Bilderbuch muss allerdings erst einmal Paul kommen, damit sich die Mädchen darauf besinnen, dass Paul ja auch mit ihnen und den Puppen spielen kann. Erst lassen sie ihn ein bisschen nebenherlaufen, beachten ihn nicht weiter. Bis er im Dunkeln „Hilfe! Hilfe!“ sagt. Dabei ist es dann so normal, dass auch die anderen Jungs sich Kleider anziehen und herumtanzen. Dabei hat Paul zunächst Angst gehabt, ob sie ihn nicht auslachen würden.

Es sind diese kleinen Wendepunkte, die das Buch so realistisch machen. Denn natürlich ist es nicht normal, dass ein Junge mit Puppen spielt. Ist Paul etwa schwul? Natürlich erwartet man, dass er ausgelacht wird, dass sie ihn hänseln. Genau deswegen versteckt sich Paul ja auch auf dem Klo. Aber es passiert dann doch nicht.

Mit witzigen, detaillierten, anspielungsreichen Bildern und einer eigentlich ganz einfachen Geschichte erzählt Pija Lindenbaum, die hierzulande bekannt wurde durch die witzigen Geschichten von Franziska und den Wölfen und „den dussligen Schafen“ die Geschichte von Paul, der ein wenig anders ist. Und dann kann das doch alles sehr normal sein. Schön wär’s.

Georg Patzer


Pija Lindenbaum: Paul und die Puppen. Übersetzt von Birgitta Kicherer. Beltz Verlag 2008. 40 Seiten. 12.90 Euro. Ab 4 Jahren. ISBN 978-3407793737.

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