...und von der Wärme, die nicht nur eine Katze bringt.Die Dunkelheit und Kälte der Wintermonate mag die kleine Ruth gar nicht. Was für ein Glück, dass das Lichterfest in diese Zeit fällt. Acht Tage lang wird Abend für Abend eine Kerze mehr im Leuchter angezündet. Die ganze Familie, Papa, Mama, die beiden Brüder Samuel und Lior und natürlich Ruth, sitzt dann zusammen, beim Erzählen und Spielen. Kartoffelpuffer, Lattkes, werden gebacken, Krapfen gegessen. Manchmal kommt auch Großmutter, sie bringt ihren besten Apfelkuchen. Wenn die Kinder keine Lust mehr haben, mit dem Dreidel um kleine Münzen und Süßigkeiten zu spielen, spielen sie Makkabäer. Auch Ruth darf mitmachen. Daß Samuel und Lior ihren Spielzeugbauernhof zum zerstörten Tempel machen wollen, stößt bei ihr aber auf heftigen Protest. So schön sie die Geschichte von dem kleinen Ölkrug findet, der vor mehr als 2000 Jahren inmitten der Zerstörung genau acht Tage lang brannte, so frech findet sie ihre Brüder.
Verständlich, daß sie vor lauter Aufregung nicht einschlafen kann. Und die Nacht ist so dunkel und kalt. Ob Nächte auch frieren? Halb neugierig, halb mitleidig wagt Ruth es, das Fenster zu öffnen. Zu ihrer Überraschung schlüpft eine kleine schwarze Katze ins Zimmer. Die muss bleiben, beschließt Ruth. Aber werden die Eltern das erlauben?
Am letzten Abend des Chanukka-Fests zeigt es sich, daß ein göttliches Wunder, das vor so langer Zeit geschah, bis heute fortwirken kann.
Das Chanukkawunder als SymbolIn ganz einfacher Sprache und mit sparsamen Mitteln erzählt Lena Kugler vom Lichterfest Chanukka. Vier bis maximal zehn Zeilen finden sich auf jeder Doppelseite, die Sätze sind im weitesten Sinn versartig angeordnet, oft gibt es schlichte Endreime. Das genügt der Autorin, um das Bild einer munteren und liebevollen Familie zu zeichnen, und die Freude der Chanukkafeier zu vermitteln. Als wäre das nicht bereits Kunstfertigkeit genug, sind die Beschreibungen und die Sprachbilder, die Kugler vor allem für die Nacht findet, wunderbar fantasievoll und poetisch formuliert. Ruths ‚Chanukkawunder’ schließlich ist ein fein ausgedachtes Symbol für den eigentlichen Kern des Festes, das zeitgemäß Physik und Metaphysik, moderne säkulare Welt und Religion verbindet.
Die Zeichnungen von Hermann Hülsenberg sind großflächig angelegt. Sie spielen mit den Motiven Dunkelheit und Licht, die Konturen bleiben eher vage, verwischt. Lichterschein schimmert und flackert vor blau-schwarzem Hintergrund, alles wirkt weicher, zugleich aber ein wenig unheimlich in seiner Unschärfe. Das gilt vor allem bei den Figuren und ihren Gesichtern, nicht immer wirkt sich die Verzerrung günstig aus. Das Anschauen macht Spaß, setzt bei Kindern aber ein gewisses Abstraktionsvermögen voraus.
Ein ausführlicher Anhang informiert über das Fest, seine Geschichte, die Festspeisen - es gibt sogar ein Rezept für die Lattkes, das ganz leicht nachzukochen ist - und vor allem das Spiel mit dem Dreidel, dem kleinen Kreisel. Für ihn gibt es auch einen Bastelbogen, mit ein wenig Geschicklichkeit kann man in kurzer Zeit selbst ein Spiel wagen.
Ein gelungenes Bilderbuch, das poetisch, sachkundig und mit bestechender Selbstverständlichkeit über einen sehr alten Brauch informiert.
Magali Heißler
Lena Kugler, Hermann Hülsenberg: Chanukkatz, oder Ruth, Chanukka und das Katzenwunder.Mit Illustrationen von Herman Hülsenberg
Kinderbuch ab 5
Fischer Schatzinsel 2008
Gebunden. 32. Seiten. 12,90 Euro.
ISBN 9783596852765
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