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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:26

Salah Naoura: Geheimnis um Baldini (ab 8)

16.04.2009

Vogelpiano und Grillengeige

Im Lärm moderner Großstädte sind die feinen Töne längst untergegangen. Aber es gibt sie immer noch. Wer aufmerksam genug ist und den Mut hat, Geheimnissen nachzuspüren, kann den feinen Tönen auf die Spur kommen. Und das Glück finden. Von MAGALI HEIßLER

 

Fragt man den kleinen Toni, wo er wohnt, dann sagte er nicht nur: „In Rom.“, sondern fügt gleich hinzu: „Am lautesten Platz und im lärmigsten Haus der ganzen Stadt.“ Draußen dröhnt und hupt und knattert es, drinnen streiten Nachbarn. Es ist so laut, dass Tonis Mutter in der Wohnung Kopfhörer trägt, damit sie ihre Lieblingsmusik hören kann. Sie stammt von Baldini, dem besten Klavierspieler der Welt. Er kann Triller spielen, die klingen wie Vogelgesang. Keiner weiß, wie er das macht.

Toni interessiert sich nicht sehr für Mamas Baldini, weit mehr interessiert ihn der efeuumrankte Balkon der Nachbarn. Dort würde er zu gern sitzen, aber das ist unmöglich. Die Nachbarn streiten den ganzen Tag und sie mögen keine Kinder. Eines Tages aber müssen die Nachbarn ausziehen. Toni schöpft Hoffnung. Ob ihn die nächsten Mieter auf den grünen Balkon gehen lassen? Mitten in diese Aufregung platzt seine Mutter mit einem Schrecken anderer Art: ihr Lieblingspianist Baldini ist verschwunden! Toni tut das leid, aber der Balkon ist wichtiger. So heftet er sich an die Fersen des neuen Nachbarn.

Ein eigenartiger Mann ist das. Er scheint blind zu sein. Zuweilen dringen aus seiner Wohnung die seltsamsten, wunderbarsten Töne. Toni schöpft einen wilden Verdacht. Als er eine Tages einen winzigkleinen Geigenbogen in Mamas Majorantopf findet, beschließt er, das Geheimnis zu lösen. Das war eine gute Entscheidung und so sind am Ende alle glücklich, Toni, Mama, der neue Mieter und alle Leute, die in de Nachbarschaft leben. Denn nun erklingen die seltsamsten und wunderbaren Töne auch für sie.

Grillenzirp, Libellenflug und Vogelsang

Mit viel Sinn fürs Märchenhafte, aber ohne den Alltag ganz aus dem Blick zu verlieren, erzählt Naoura diese kleine Geschichte. Elemente eines Kinderkrimis und ein wenig Zauberisches werden fantasievoll verwoben. Kindlicher Sinn fürs Abenteuerlich-Rätselhafte verbindet sich mit der heimlichen Sehnsucht der Menschen nach Ruhe und Wohlklang. Geheimnisse und Verkleidungskunststücke sorgen für Spannung, die sich durch geschickt eingebaute Slapstickszenen entlädt, nur um mit dem nächsten Satz aufs Neue aufgebaut zu werden.

Die Figuren werden mit nur wenigen Strichen quicklebendig, Tonis wachsende Aufregung ist ebenso spürbar wie die heimlichen Sehnsüchte, die die anderen Personen beherrschen. Die fantastischen Instrumente sind so treffend beschrieben, dass man sie fast zu hören glaubt.

Überaus gelungen ist schließlich die Verbindung zwischen dem kindlichen Protagonisten und den Erwachsenen in den Nebenrollen. Sie wachsen zusammen, indem sie ein wunderschönes Geheimnis teilen. Hier zeigen sich gegenseitiger Respekt und Zuneigung, ungeachtet des Lebensalters. Glücklich die Menschen, die bedenkenlos Momente des Glücks miteinander teilen.

Die Illustrationen machen das Glück auf fast jeder Seite sichtbar, ohne Kitsch und Sentimentalitäten. Sie treffen aber ebenso die humorvolle und geheimnisumwitterte Seite der Geschichte. Die trillernden und zwitschernden Singvögel mit ihren winzigen Sonnebrillen auf dem Vorsatz sind ein zusätzlicher Genuß. Wer kennt ihre Namen?

Vom Verlag ist die Geschichte für das Selbstlesealter ab acht Jahren ausgewiesen, sie eignet sich aber durchaus zum Vorlesen auch schon für Fünf - und Sechsjährige, Vogelnamenraten eingeschlossen.

 

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