Es beginnt ganz harmlos, Minus langweilt sich und beschließt, die Welt zu erobern. Ausgerüstet mit den Ermahnungen der Mutter und einem Schuh seines Freundes Enok, der alles nur ein Mal besitzt, zieht der Junge los. Die alte Frau, die alles doppelt hat – safety first - , vermacht ihm eine Garnrolle plus Nadel, die drei weisen Könige haben sich etwas verlaufen, irren durch den schwedischen Nadelwald und das mit den drei Wünschen klappt auch nicht mehr so recht. Dann treten auf ein Vierköpfler (klar, kennt doch jeder), ein 50jähriger Fahnenstangenfabrikant mit starker Affinität zur Zahl Fünf, eine grausige Hexe, ein wunderschönes Mädchen und noch viele skurrile Typen mehr, die alle eines gemeinsam haben: Sie verhelfen Minus zu einem jeweils weiteren nützlichen Gegenstand, bis er 10 Dinge beisammen hat. Und diese absonderliche Sammlung leistet ihm und seinen Wegbekanntschaften noch gute Dienste, bis er endlich wohlbehalten wieder zu Hause ankommt.
Klohäuschen zählen
Wer jetzt glaubt, dass alles hübsch aufgereiht auf den Illustrationen zum Zählen bereit steht, der kennt seinen Nordqvist noch nicht so wirklich. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt seiner Karriere lebt der Ausnahmeillustrator seinen Hang zu schnurrigen Details hemmungslos aus und bedient damit die Pfiffigkeit seiner kleinen Leser. Er fordert ihren Intellekt heraus und dazu gehört es eben auch, die zehn Klohäuschen auf der entsprechenden Seite zu finden oder die acht völlig unterschiedlichen Vogelhäuschen oder die fünf Statuen. Keines gleicht dem anderen außer in der Anzahl und genau das macht dieses Buch so reizvoll für Jung und Alt. Da können sich Erwachsene und Kinder im Entdecken messen, da gibt es unendlich viel zu bestaunen, Holzstapel aus Monsterzigarren, Fingerblumen, Lauchwäscheleinenpfosten und der eine oder andere Muckla lugt auch schon um die Ecke.
Nur der Text, der lässt ein wenig zu wünschen übrig, denn die Geschichte ist für die Zielgruppe, Kinder ab 4 Jahren, ein wenig überfrachtet und verworren. Völlig wertfrei ist sie sowieso, aber das kennen wir ja von Nordqvist, die Moral von der Geschicht‘ ist sein Ding nicht, der Spaß an der Freud steht im Vordergrund. Da werden weniger fantasiebegabte Zuhörer eventuell überfordert, aber das machen die Bilder mehr als wett. Letztlich ist der Text reine Zugabe, spielt nur eine untergeordnete Rolle und erläutert unterstützend die absurden Situationen, in die Minus von Seite zu Seite stolpert. Wirklich notwendig ist er nicht, und so haben wir hier ein Bilderbuch, dass unsere kleinen Leseratten mit Sicherheit auch ohne Erwachsenenbegleitung immer wieder hervorholen werden, denn es gibt ständig noch etwas Neues zu entdecken. Bleibt allerdings die Frage, ob wir Erwachsenen das einfach so hinnehmen werden!