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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:27

Beate Dölling: Sommerglück und Idiotenpech

18.06.2009

Erst der eigene Einsatz macht ein Paradies zum Paradies

Eine Schule, die Kinder glücklich macht, klingt nach einem Märchen. Leo (Leonie), Johan und Flora aber erleben es. Ihre Grundschule ist weitestgehend frei von Zwängen, Lehrerinnen und Lehrer sind für die Kinder, Schulgarten und Spielwald stehen auch in den Ferien offen. Die gleichaltrigen Störenfriede besiegt man mit Witz und Köpfchen. Wenn sich aber plötzlich Erwachsene von Amts wegen als Störenfriede aufführen, wird aus Spaß Ernst. Von MAGALI HEIßLER

 

Leo, Johan und Flora leben in einer rechten Idylle. Ihre Schule steht in einem Dorf, mit Ententeich und Dorfladen. Es gibt sogar ein Schloss. Das haben Leos Eltern, eine Malerin und ein Schriftsteller, gekauft. Man kann zum Schwimmen an den großen Badesee gehen oder mit dem selbstgebastelten Floß auf dem Ententeich herumpaddeln. Aufpassen muss man nur, wenn Konni mit dem dicken Eric in der Nähe ist. Konni wohnt in der Sozialsiedlung, seine älteren Brüder sind Schläger, seinen Vater sieht man oft betrunken die Dorfstraße entlang wanken. Eric, der Angeber mit den reichen Eltern, macht alles mit, richtige Idioten sind die zwei. Es ist aber möglich, mit ihnen fertig zu werden, sogar Flora, die kleinste und zarteste, kann ganz wild werden. Leo ist ohnehin eine Kämpferinnennatur, deshalb schwärmt Johan auch für sie. Aber nur ganz heimlich, zu Leos großen Kummer. Eigentlich können die drei Freunde den letzten Schultagen vor den Sommerferien fröhlich entgegensehen.

Schatten

Doch plötzlich geschehen seltsame Dinge. Konni fehlt in der Schule, Eric führt sich auf wie wild geworden, und die allseits beliebte Schulleiterin läuft mit rotgeränderten Augen herum. Ob ihr Kater wieder krank ist? Leo, Flora und Johan müssen feststellen, daß es viel, viel schlimmer ist. Die Schule soll im kommenden Herbst geschlossen werden, weil es nicht mehr genügend Kinder für die erste Klasse gibt. Das ist aber nicht alles, Konni bleibt verschwunden, ein kleines halb verwildertes Mädchen taucht auf, und in den Ställen des Schlosses geschieht Merkwürdiges. Unsere Drei wissen kaum noch, wo ihnen der Kopf steht. Nur eines ist klar: die Schule muss bleiben. Und so gibt es keine Ferien mit Spaß pur, sondern eine Reihe abenteuerlicher Unternehmungen, die Leo, Johan und Flora ziemlich außer Puste bringen.

Das wiedergefundene Paradies

Dölling erzählt hier nur auf den ersten Blick vom schönen Glück, unter nahezu idealen Bedingungen groß werden zu dürfen. Das Leben hält genug Schwierigkeiten für jede und jeden bereit. Leos Künstler-Eltern erweisen sich beim näheren Hinsehen als ziemlich chaotisch, Johan leidet darunter, dass er schüchtern und alles andere als schlagkräftig ist. Der nur wenig ältere Konni wächst unter üblen Bedingungen auf, Eric ist seinerseits ein ebenso vernachlässigtes Kind.

Als die Schule in Schwierigkeiten gerät, zeigt es sich, dass die sonst so verlässlichen und beschützenden Erwachsenen hilflos sind, den Kindern ihre schöne Welt zu erhalten. Wer eine schöne Welt haben will, muss sich selbst dafür einsetzen, mit allen Kräften. Das ist die ganz unaufdringliche Lehre dieser Geschichte.

Erzählt wird mit großer Lebhaftigkeit. Wo es vonnöten ist, fällt auch das eine oder andere scharfe Wort der Kritik an Respektspersonen. Der Einfallsreichtum der Kinder ist ungeheuer, egal, ob sie ihr Floß oder die Schule retten müssen. Das bringt eine Menge Komik in die Geschichte, etwa wenn es um die Entengrütze auf dem Teich oder darum geht, kleine Kinder vorzeitig ‚schulfit’ zu machen.

Im Mittelpunkt steht das Beziehungsgeflecht der Kinder untereinander und seine Dynamik. Erste Eindrücke müssen keineswegs richtig sein, stellen unser Heldinnen und Helden im Verlauf der Sommerferien fest, manches rückt erst beim zweiten Hinsehen an seinen richtigen Platz. Hier findet sich auch so manche implizite Mahnung vor Vorannahmen und Vorurteilen.

Die Geschichte endet altersgerecht positiv, aber nur um Haaresbreite. Der Einsatz hat sich gelohnt, ganz ohne Beulen und Kratzer jedoch kommt man nicht davon. Es zeigt sich aber auch, dass ein Kampf stärker macht. Man gewinnt an Selbstwertgefühl und Selbständigkeit. Man gewinnt Einsichten. Und Freunde, wo man sie am wenigsten vermutet hätte.
Die Kraft dafür bezieht man aber genau aus der harmonischen Welt, die eine kindgerechte Schule und eine kindgerechte Umgebung bieten. Es müssen wirklich Idioten sein, die Kindern so etwas wegnehmen wollen.

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