Mütter werden das nie verstehen, dass man „beste Freunde“ sein kann und sich trotzdem ständig streitet. Ob auf Schulausflügen, Kindergeburtstagen oder einfach beim gemeinsamen Spielen: wenn Charlie und Henry zusammen sind, fliegen schon bald die Fetzen. Kein Wunder, dass die gestressten Mütter zwar einerseits den Nutzen dieser Freundschaft sehen (Endlich mal Ruhe! Der Sohn ist bei seinem besten Kumpel gut aufgehoben.) zum anderen diesen besonderen Events aber mit gemischten Gefühlen entgegensehen, wenn sie unter dem eigenen Dach stattfinden.
Trotzdem schaffen die beiden es im 1. Band von Charlies Abenteuern, sich eine gemeinsame Übernachtung bei Charlie zuhause zu ertrotzen. Geplant ist eine Pyjama-Party. Von ihrem Taschengeld haben sie üppig eingekauft: gesalzene Erdnüsse, Erdbeerschnüre, Käsecracker, Schokolinsen, Chips mit Currygeschmack und Cola. Henry reist mit Riesengepäck an: die von seiner Mutter sorgfältig gepackte Übernachtungstasche hat er wieder ausgepackt und stattdessen seinen Hamster mitsamt Käfig eingepackt. Und jetzt steht einer unvergesslichen Nacht nun wirklich nichts mehr im Weg!
Aber weil das Leben nicht immer so wunderbar ist wie in dieser Nacht sondern einem die ganze grässliche Familie gelegentlich auch furchtbar auf die Nerven gehen kann – die steinalten Eltern und der blöde Bruder Max – gibt es nur eine logische Konsequenz: Charlie zieht aus. Das ist dann Band 2. Erneut wird gepackt, diesmal von Charlie und nicht nur für eine Nacht sondern für immer. In den Rucksack von Max kommen nur die notwendigsten Dinge: ein Teddy, die Sparbüchse, ein Fotoalbum (mit Bildern von ihm selbst), einen Sack voller Steine, diverse Scherzartikel, eine Taschenlampe und andere unverzichtbares Notwendigkeiten. Die Playstation und der Fernseher passen nicht mehr rein, für sie braucht er jeweils eine große Reisetasche. Und dann zieht er aus. Nicht sehr weit. Aber weit weg genug und lange genug, dass alle ihn vermissen.
Hilary McKay spricht kleinen Chaoten aus dem Herzen. Ihre Geschichten sind genau mit jener Prise Humor gewürzt, die aus Alltäglichem etwas Besonderes machen. Und sie schafft es tatsächlich, für verschiedene Lebensalter und Perspektiven gleichzeitig zu erzählen. Wir schmunzeln, wir lachen, egal ob wir 7 oder 17, 27 oder 70 sind. Unsere Gründe sind vielleicht nicht die gleichen – darin liegt der Reiz. Charlie ist der Junge von nebenan. Und wenn er etwas macht, was der Junge von nebenan nicht machen würde (weil man so was nur in Büchern macht), wirkt es beim Lesen trotzdem genau so, als ob jeder 7jährige Junge genau so ist. Heike Herold hat ihn für uns gezeichnet. Ihn und Henry. Mit wenigen Strichen und umso mehr Gefühl. Und wer das Einsteigerbuch für 7jährige sucht (oder 6jährige, oder 5jährige zum Vorlesen) kommt an Charlie einfach nicht vorbei!