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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:29

Nilsson / Eriksson: Als wir allein auf der Welt waren (ab 5)

20.08.2009

Auch kleine Leute können große Krisen meistern ...

sogar dann, wenn sie sie selbst verursacht haben. Mit etwas Entschlossenheit nimmt auch ein Fünfjähriger die Welt auf die Schultern. Einen ganzen Nachmittag lang! Von MAGALI HEIßLER

 

Die Zeit zu erfassen, ist ein Problem, vor dem auch Erwachsene mitunter kapitulieren. Dass ein Fünfjähriger das eben neu gelernte Zifferblatt falsch liest, braucht einen nicht zu verwundern. Für den kleinen Helden dieser Geschichte aber bedeutet die falsche Uhrzeit die Katastrophe, denn nichts ist an diesem Tag so, wie es um diese Zeit sein sollte. Kein Papa steht vor dem Kindergarten. Das kann nur eines bedeuten: die Eltern sind nicht mehr am Leben. Was soll nur aus dem kleinen Jungen werden? Schlimmer noch, wer wird sich um den kleinen Bruder kümmern? Hinter der Tränenflut wächst Entschlossenheit und mit ihr der Mut zum Handeln. Dem kleinen Bruder soll es trotz des großen Verlusts an nichts fehlen. Das Elternhaus ist verschlossen, aber das bremst unseren Helden nicht. Kurzerhand entsteht eine Bretterhütte auf dem elterlichen Rasen. Der kleine Bruder will fernsehen? Kein Problem. Ein Karton, Farbstifte und ein paar Zweige bewirken Wunder. Der kleine Bruder will Kuchen? Auch dafür gibt es eine Lösung, und diese ist nicht wenig raffiniert. Doch irgendwann verlassen die Kräfte auch den stärksten fünfjährigen Helden. Wie gut, dass das Zifferblatt, richtig gelesen, auch den Beweis enthält, das man eben nicht allein ist auf der Welt.

Kindliche Freude am Drama lustvoll erzählt

Hochkonzentriert und mit sparsamsten Mitteln erzählt Ulf Nilsson die Geschichte einer vermeintlichen Katastrophe im Kinderalltag. Hinter der Einfachheit verbirgt sich eine hohe Komplexität. Verlustängste gepaart mit Selbständigkeitsdrang, beide gleichermaßen stark, darf der kleine Held ausagieren. Die Lust am hausgemachten Drama ist ebenso spürbar, wie das Ausmaß an echter Angst, das er aussteht. In seiner Entschlossenheit und Fürsorglichkeit beweist er einerseits eine hohe soziale Kompetenz, die manchem reiferen Menschen gut anstehen würde. Auf der anderen Seite bleibt immer die kindliche Sichtweise gewahrt, die ihn unfähig macht, den zugrundeliegenden Irrtum zu erkennen. Daraus resultieren weitere Tolpatschigkeiten, aber auch wunderbar überzeugende spielerische Interaktionsmomente mit dem jüngeren Bruder. Hier bewegen sich kleine Kinder, in ihrer von außen betrachtet absurden, von innen gesehen völlig logisch aufgebauten eigenen Welt.

Die Geschehnisse werden mit viel Humor und beträchtlichem Witz geschildert, die zugrundliegende Wärme der Gefühle wird in nahezu jedem Satz spürbar. Diese Wärme verhindert auch, dass die Geschichte ein Zuviel an Ironie bekommt, was die Ausgangssituation durchaus provozieren könnte.

Die Illustrationen von Eva Eriksson unterstützen gezielt die Textaussage, liebvoll-drollig und zugleich respektvoll wird die kleine Welt gestaltet. Die Farben sind ein wenig zurückgenommen, als sei das Licht mit dem vermeintlichen Verschwinden der Eltern schwächer geworden. Dafür leuchtet die Kleidung der beiden kindlichen Protagonisten um so mehr, vor allem aber ihr Vergnügen beim Spielen und die gegenseitige Zuneigung aus ihren Gesichtern. Das Zifferblatt und die verschiedenen Zeigerstellungen schmücken selbstverständlich die Vorsatzblätter des Buchs.

Eine witzige und ein wenig verrückte Geschichte mitten aus dem Familienleben, zum vergnüglichen Vorlesen, Betrachten und Glücklichsein.

 

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