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Dienstag, 07. Februar 2012 | 06:59

Friedrich Schiller und Eduard Mörike für Kinder

10.12.2009

Klassiker für Kinder - eine Zumutung!

Immer wieder tauchen sie auf dem Buchmarkt auf, schön gebunden, oftmals mit Leinenrücken, erlesen illustriert, echte Hingucker im Bücherregal. Doch auf wen zielen diese vordergründig für Kinder gemachten Titel denn nun wirklich ab? Können Klassiker heutige Kinder überhaupt noch begeistern? Ein entschiedenes „Kommt ganz darauf an“ von BEATE MAINKA

 

Aus gegebenem Anlass (genau, wir haben mal wieder Schillerjahr, dieses Mal den 250. Geburtstag) legt der Carlsen Verlag einen großformatigen Bildband vor, die Ballade vom Taucher, illustriert von Dieter Wiesmüller. Zu Beginn, auf meeresblauem Grund mit hellgrüner Schrift gedruckt, erscheint der gesamte Text des Gedichtes, vier Strophen pro Seite in schnörkelloser Schrift. Dann tauchen wir ein in Wiesmüllers Bilderreigen, vierzehn großformatige, doppelseitige Bilder, die sich auf wenige Details beschränken und doch die ganze Geschichte noch einmal plastisch darstellen, ganz ohne Worte.
Da steht der König am äußersten Rand der Klippe mit dem goldenen Becher vorm wütenden Meer, da tritt ein schmächtiger Jüngling aus der Schar der Knappen hervor, während die Menge im Hintergrund feixt, den Meeresboden bevölkern wundersame, gar schreckliche Ungeheuer.
Wiesmüller nimmt Schiller beim Wort, er interpretiert den Text nicht, sondern setzt ihn werkgetreu um. Er holt seine kindlichen Betrachter genau da ab, wo sie ihn brauchen, bei der bildlichen Umsetzung des ungewohnten Textes, macht das zuvor Gehörte visuell nachvollziehbar und erschließt ihnen so die Dramatik des Geschehens.

 

Alles zu seiner Zeit

Hannes Binder, Schweizer Comic-Zeichner und Illustrator, illustriert sein erklärtes Lieblingsgedicht von Eduard Mörike aus einer ganz anderen Perspektive. Auch bei ihm steht am Anfang der Text, kurz ist er, nur zwei Strophen lang. Dann beginnt er, jede Zeile einzeln bildlich umzusetzen und zu interpretieren. Mit exaktem Tuschestrich, ganz fein liniert, führt er seine Betrachter in eine reale nächtliche Welt, in die zunehmend traumhafte Elemente eindringen. Die Nacht wird greifbar, die Stimmung erfasst den Betrachter. Den für Kinder befremdlichen, schwierigen Text wird allerdings auch Binders Bildersprache nicht erhellen, da braucht es schon erwachsene Begleitung, um älteren Kindern den Sinn begreifbar zu machen. Diese Ausgabe eignet sich mit ihrer faszinierenden Bilderwelt eher für jugendliche Betrachter und erwachsene Sammler.

Und so zeigen unsere zwei Beispiele, dass nicht jedes Gedicht auf jedes Kind passt. Alter, Leseerfahrung, wobei ich das Vorlesen einbeziehe, die Bereitschaft, sich auf Ungewohntes einzulassen, all das zusammen kann zu wunderbaren Lese- und Hörerlebnissen führen. Kinder entwickeln ein ganz eigenes Gespür für Sprache, sie sind mehr als bereit, sich auf neues Altes einzulassen, sie verziehen noch nicht gelangweilt das Gesicht beim Begriff „Klassiker“. In diesen Bilderbüchern liegt eine Chance, vorausgesetzt, wir schauen im Vorfeld genau hin, ob der Titel auch zum Empfänger passt. Klassische Texte sind Kindern durchaus zuzumuten, und das hat nichts mit falsch verstandener Bildungsbeflissenheit zu tun. Wie soll denn die nächste Generation ein Gespür für literarisch hochwertige Texte entwickeln, wenn wir sie ihnen genau dann vorenthalten, wenn sie am offensten dafür sind?! Mein 13jähriger Sohn brachte vor kurzem im Fach Deutsch eine sagenhafte 2- nach Hause, Thema der Arbeit war die Auseinandersetzung mit Goethes Gedicht „Totentanz“. Ihm hat es gefallen. Na also!

 

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