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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:32

Wendy Mass: Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst (ab 12)

03.12.2009

Nachrichten von einem Toten

Das Leben kann schwierig sein mit 13, insbesondere wenn man seinen Vater bereits mit acht Jahren verloren hat, nur eine einzige Freundin aus Kindertagen hat und äußerst ungern U-Bahn fährt - und das in New York! Doch auf Jeremy Fink wartet eine große Überraschung... Von BEATE MAINKA

 

Eigentlich war es ja gar nicht an ihn adressiert, das Paket, das da auf dem Küchentisch steht, aber Jeremy Fink, fast 13, und Freundin Lizzy können ihre Neugier nicht bezähmen und öffnen es klammheimlich, in der irrigen Vorstellung, Mütter würden so etwas nicht merken. Der Inhalt des Paketes entpuppt sich als eine Kassette mit vier (!) Schlössern, in deren Deckel eingraviert ist: „Der Sinn des Lebens“ und einem Brief für Jeremy, von seinem vor fünf Jahren verstorbenen Vater. Die Kassette soll der Junge an seinem 13. Geburtstag öffnen. Doch es gibt ein Problem, die Schlüssel sind verschollen. Und damit beginnt für Jeremy ein großes Abenteuer, denn die beherzte und zupackende Lizzy reißt ihren Freund aus seiner selbstgewählten Isolation und schleift ihn quer durch New York, um die Schlüssel zu finden. Dabei muss Jeremy mehr als einmal über seinen Schatten springen, muss lernen, auf Menschen zuzugehen, ungewöhnliche Wege beschreiten, um ans Ziel zu gelangen. Und ganz nebenbei findet er ihn: den Sinn des Lebens!

Der lange Abschied von der Kindheit

Die Liste der Adoleszenzromane ist lang, aber Wendy Mass‘ Debütroman gebührt ein Platz ganz oben in der Rangliste. Was sie ihrem jungen Helden in den Mund legt, das zeugt von einem beträchtlichen Einfühlungsvermögen in die Gedankengänge eines Pubertierenden. Da wird philosophiert, argumentiert, reflektiert, wobei die Logik der daraus resultierenden Ergebnisse durchaus zu wünschen übrig lässt. Das ist so realistisch trotz aller Dramatik der Ereignisse, dass man, zumindest als erwachsener Leser, aus dem Schmunzeln oft nicht heraus kommt. Aber Mass stellt ihre jugendlichen Protagonisten mitnichten bloß, sie schafft nur, und das ist in Zeiten der großen, realitätsfernen Jugendbuchhelden á lá Harry Potter erfrischend, lebensechte, mitten aus dem Leben gegriffene Umweltbedingungen.

Die Erzählung ist vielschichtig, auf unterschiedlichen Ebenen passiert unendlich viel. Da ist die vordergründige Spannung, die sich aus der Schnitzeljagd nach den Schlüsseln und der Frage nach dem Inhalt der Kassette ergibt. Damit hat Mass ihre Leser am Haken. Aber das ist noch längst nicht alles, denn der Einblick in Jeremys Gedankengänge offenbart die ganze Wirrnis, der ein Jugendlicher auf der Schwelle zum Erwachsenwerden unterworfen ist. Der Kampf der Synapsen um neue Vernetzungen tobt auf jeder Buchseite. Ein Beispiel dafür ist die ganz unterschwellige, schleichende Wandlung der Beziehung zwischen Jeremy und Lizzy, das Nachdenken über „Was wäre, wenn…“, das Verdrängen neuer Gefühle, veränderter Wahrnehmungen. Da werden sich männliche Leser wiederfinden, Aha-Erlebnisse inklusive, und die weiblichen werden eine Art Lehrstunde über das andere Geschlecht absolvieren. Wir Erwachsenen werden uns rückerinnern und alle werden von diesem klugen Buch angerührt werden. Das ist nicht die schlechteste Lesemotivation!

 

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