Eben war alles noch eitel Sonnenschein, jetzt bespitzelt König Leontes die beiden. Späht mit scharfem Blick aus sicherem Versteck, beobachtet misstrauisch, wie seine liebliche Frau und König Polyx sich vergnügt die Zeit vertreiben. Und argwöhnt hinterhältige List. Glaubt sogar, „die beiden seien ein untreues und mordlustiges Paar.“ Wollen ihn aus dem Weg schaffen, heiraten und sich sein südländisches Reich unter den Nagel reißen. Dabei tut Hermione nur, was sich für eine Königin geziemt und unterhält den hohen Gast.
Aber König Leontes ist eitel: Denn nicht er hat es geschafft, den Busenfreund noch einmal zum Bleiben zu überreden. Sondern sie. Und statt sich zu freuen, denn sie waren zusammen aufgewachsen, „Zwillingslämmern gleich, die blökend im Sonnenschein miteinander spielen“, kriecht galliger Missmut in ihm hoch. „Und da er sich ärgerte, sah er scheel auf die wunderschöne Hermione, und da er sie scheel ansah, zog ein finstrer Schatten in sein Herz.“
Es ist die blanke Eifersucht, die in Shakespeares „Wintermärchen“ an König Leontes nagt, von Franz Fühmann zauberhaft nacherzählt und von Jacky Gleich kongenial illustriert. Es sind aberwitzige Hirngespinste, die schnell zum Wahn werden und den Herrscher des Südlandes zum narzisstischen Tyrannen machen: „Denn nicht Nessel noch Dorn noch giftige Wespen zwacken so sehr wie ein falscher Verdacht.“ So schreitet er auf einem Bild in scharlachrotem Gewand despotisch daher, die herrische Miene eisig erstarrt, die Arme selbstgefällig auf dem Rücken verschränkt. Dann wieder bellt er mit Drohgebärden und grimmigen Grimassen apodiktische Befehle, dass die Räte sich in ihren gelbgrauen Einheitsanzügen, den Hüten und schwarzen Brillen feige winden. Untertänig winseln, „und als der König voll Zorn mit der Hand durch die Luft schlug, verstummten sie ganz.“
Und seine herzensgute Gemahlin soll im Kerker verrotten: Schicksalergeben und traurig wie ein Lämmlein, das zum Schlachter geführt wird, steht die anmutig Sanftmütige vor zwei eisgrau roboterhaften Wächtern. Nur Pauline, der edlen Hermione furchtlose Kammerfrau, bietet dem Despot unverfrorenen Blickes und streitbaren Geistes die Stirn: „Der einzige Verräter, den es hier im Saal gibt, das seid Ihr! (…) Euer Wahn ist eine einzige verfaulte Lüge; der Bau Eurer Anklage ist morsch bis zum Grund!“