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Dienstag, 07. Februar 2012 | 07:17

Philipp Seefeldt: Ida still im Menschenmeer

04.02.2010

Stadtführung der besonderen Art

Einen Preis hat es schon, das zweite Bilderbuch des jungen Grafik-Designers Philipp Seefeldt, und ist damit wieder eine dieser bedauernswerten Veröffentlichungen, die bei der Kritik auf viel Gegenliebe stoßen. Der Weg ins heimische Kinderzimmer, ob gekauft oder in einer Bibliothek ausgeliehen, ist hingegen steinig und beschwerlich. Warum eigentlich? Von BEATA MAINKA

 

Ida kommt ziemlich fesch daher, angetan mit feinem Mäntelchen, schickem, rosa Hut, feinem Schuhwerk und einem Regenschirm. Sie wohnt in einem großen Haus ganz oben, mit Rundblick über die Stadt, die anhand des typischen Fernsehturms sofort als Berlin zu identifizieren ist. Und sie nimmt uns mit auf einen recht eigenwilligen Trip durch ihre Stadt. Bereits über die Regelung des Verkehrs hat sie ihre ganz eigenen Vorstellungen, den übernimmt nämlich das Faulenzertier, und wenn das nicht aufpasst, gibt es halt Stau oder Unfälle, logisch, oder?

 

Von einer Attraktion zur nächsten befördert sie der unterirdische gelbe Wurm, der Reichstag kommt als Schildkröte daher, mit gläsernem Panzer, die Currywurst wächst auf Bäumen. Wie soll die Großstadtpflanze auch wissen, woher die Wurst stammt? Wunderschön ist der Potsdamer Platz als Hafen mit lauter Ozeandampfern dargestellt, die durch das Menschenmeer wogen. Man merkt gleich, Ida liebt ihre Stadt und weiß das gekonnt zu vermitteln.

 

Berlin mit Kinderaugen betrachtet

Philipp Seefeldt trägt der überbordenden Fantasie seiner kleinen Stadtführerin mit seinen Illustrationen in gedämpften Tönen Rechnung. Stellenweise erreichen die Bilder dank der Collagentechnik eine faszinierende, fast dreidimensionale Tiefe und laden dadurch ein, genauer hinzuschauen, kleine, mitunter hinreißend witzige Details zu entdecken, wie etwa ein in Idas Vorstellungswelt zum Kinderwagen umfunktionierter Bagger.

 

Der schreiend bunten, hektischen Glitzerwelt der Großstadt entkommt das Kind, indem es Oasen der Ruhe findet, etwa auf der großen Rasenfläche vorm Reichstag oder am Ufer der Spree, die vom Brückentier überspannt wird. Und so bekommen große und kleine Betrachter allmählich große Lust, Berlin neu oder wieder zu entdecken und diese Stadt zu erleben.

 

Erfrischend anders

Genau darin liegt die Stärke dieses Bilderbuches, inmitten all der verniedlichenden Tierlein- und pausbäckigen Kindlein-Bilderbücher bietet dieser Titel einen wohltuend neuen Blickwinkel auf altbekannte Sehgewohnheiten, präsentiert von einer höchst selbstbewussten, jungen Dame mit Stil. Aus dieser Perspektive hat noch kein Stadtführer Berlin präsentiert, poetisch, liebevoll und mit herzerwärmender Naivität.

 

Kinder werden begeistert einsteigen in Idas Bilderwelt, wenn wir uns trauen, unsere Erwachsenenvorbehalte gegen künstlerisch ambitionierte Bilderbücher zu überwinden und zu diesem außergewöhnlichen Titel zu greifen.

 

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