Alle haben wir die atemlose Spannung genossen, als Scheherazade im persischen Samarkand den enttäuschten Sultan heiratete und um ihr Leben zu retten in der Hochzeitsnacht ihre erste Geschichte zu erzählen begann.
1000 weitere Nächte sollten folgen und der unerschöpfliche Geschichtenreichtum von Scheherazade in den "Märchen aus 1001 Nacht" gesammelt werden. Haben wir sie nicht alle für ihre nie enden wollende Fantasie bewundert? Und uns nicht vielleicht manchmal überlegt, woher sie die vielen, vielen Märchen hat? Susan Fletcher wagt einen neuen Blick auf die letzten Nächte im Palast, ehe sich die Grausamkeit des Sultans in Liebe verwandelt und er seiner Frau das Leben schenkt. Es ist neunhundertachtundneunzigste Nacht und die entsetzte Scheherazade weiß keine neue Geschichte mehr. Die 13jährige Marjan wird auf wundersame Weise ihrer Retterin. Dabei ist Marjan nur ein armes verkrüppeltes Waisenkind, das die Nachbarskinder mit Geschichten unterhält. "Schatten spinnen" nennt es ihre Tante verächtlich und rümpft darüber die Nase.
Aber genau diese Schattenspinnerin ist die letzte Hoffnung im Palast. Unter abenteuerlichen Bedingungen, großer persönlicher Gefahr und argwöhnisch belauert von der Mutter des Sultans sorgt Marjan für das Happy End, das wir alle kennen. Ein märchenhafter, poetischer Roman, in dem sich der Glanz der arabischen Märchen, die Pracht der Paläste und Gärten und der Alltag auf den Basaren und in den verwinkelten Gassen durchdringen und wundervoll ergänzen. Am Ende stehen Scheherazade und Marjan vor einem neuen Leben.
Was ich nach der letzten Seite tun würde, war längst klar: noch einmal das dicke alte Märchenbuch aus dem Regal holen und mit Aladin den Geist aus der Flasche rufen und mit Ali Baba und seinen vierzig Räubern in den Schatztruhen stöbern.
Andrea Wanner
Susan Fletcher: Die Schattenspinnerin.
Aus dem Englischen von Anne Brauner.
Arena 2002. Gebunden. 248 Seiten.
Ab 12 Jahren. 12,90 ¤.
ISBN: 3-401-05304-3