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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:36

Peter Pohl: Anton, ich mag dich

25.02.2010

Eine ungleiche Freundschaft

Wenn zwei Kinder sich anfreunden, stellen sie schon mal zusammen etwas an. Aber wenn der eine etwas undurchsichtig ist, ständig neue Handys hat und sich nie zu Hause besuchen lässt, dann ist etwas faul. Peter Pohl erzählt von der ungleichen Freundschaft zwischen Anton und Jojo. Von GEORG PATZER

 

Anton ist seltsam. Er ist ein Superfußballer, der stärkste in der Klasse, und er kann sehr schnell rennen. Aber er ist nett, gibt nicht an, sondern lobt lieber die anderen, die nicht halb so gut sind wie er. Er nimmt Anki in den Arm, als sie hinfällt und weint, pustet ihr über die aufgeschrammten Hände und tröstet sie. Besteht darauf, dass er ja nur den Pass zum Siegtor gegeben hat. Ein guter Kumpel. Bescheiden. Hilfsbereit. Da ist Jojo wirklich froh, dass sie befreundet sind.

 

Und doch. Etwas komisch ist er manchmal. Als sie einmal zusammen an Geschäften vorbeibummeln, sieht er ein kleines schwarzes Kästchen, mit dem man seinen Namen in roter Leuchtschrift schreiben kann, für 99 Kronen. Und Anton stürzt einfach in den Laden und kommt ziemlich schnell wieder raus. Gekauft hat er es mit der Kreditkarte seiner Mutter, sagt er. Auch sein modernes Handy hat er von seiner Mutter, die irgendwo arbeitet, wo sie es billig bekommt. Und etwas später hat er dann ein neues Handy, behauptet aber, das wäre sein altes.

 

Geheimnisvolle Lügen

Der schwedische Kinderbuchautor Peter Pohl erzählt von einem Kind, das sich manchmal ein wenig unnatürlich benimmt. Einerseits total nett ist, andererseits absolut abweisend. Natürlich flunkert Anton, wie wohl alle Kinder ab und zu, sei es aus übergroßer Phantasie, aus Scham oder weil sie sich so einen Freiraum erobern können. Aber er lügt auch richtig, auf eine geheimnisvolle Art. Und er bringt Jojo dazu, auch zu schwindeln, um ihn nicht zu verraten. Jojo blickt oft nicht ganz durch: So lässt sich Anton nicht gern nach Hause fahren oder gar dort besuchen. Meint immer wieder, sein Vater könnte jetzt gerade nicht kommen, ihn abzuholen.

 

Sensibel erzählt Pohl aus Jojos Perspektive und in lebendiger Ich-Form von dieser ungleichen Freundschaft, von Lügen und Vertrauen. Feinfühlig bereitet er auf das Ende vor, das dennoch, vor allem für Jojo, wie ein Schock kommt: Antons große Lebenslüge. Seine Eltern leben nämlich gar nicht mehr. Und er, der Hobbyzauberkünstler, stiehlt einfach die Sachen, die er hat oder verschenkt. „Kein Mensch ist ohne Fehler“, sagt Jojos Vater einmal. Aber wie geht man mit so etwas Schwerwiegendem um? Pohl winkt nicht mit dem Holzhammer, konfrontiert Jojos Unsicherheit immer wieder mit Einwürfen ihres Vaters, der skeptisch ist, und die Geschichte geht auch nicht gut aus. Und dennoch stimmt sie den Leser nicht pessimistisch. Denn schließlich ist Anton doch ein liebenswerter Kerl. Und Jojo mag ihn. Trotz allem.

 

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