Geheimnisvolle Lügen
Der schwedische Kinderbuchautor Peter Pohl erzählt von einem Kind, das sich manchmal ein wenig unnatürlich benimmt. Einerseits total nett ist, andererseits absolut abweisend. Natürlich flunkert Anton, wie wohl alle Kinder ab und zu, sei es aus übergroßer Phantasie, aus Scham oder weil sie sich so einen Freiraum erobern können. Aber er lügt auch richtig, auf eine geheimnisvolle Art. Und er bringt Jojo dazu, auch zu schwindeln, um ihn nicht zu verraten. Jojo blickt oft nicht ganz durch: So lässt sich Anton nicht gern nach Hause fahren oder gar dort besuchen. Meint immer wieder, sein Vater könnte jetzt gerade nicht kommen, ihn abzuholen.
Sensibel erzählt Pohl aus Jojos Perspektive und in lebendiger Ich-Form von dieser ungleichen Freundschaft, von Lügen und Vertrauen. Feinfühlig bereitet er auf das Ende vor, das dennoch, vor allem für Jojo, wie ein Schock kommt: Antons große Lebenslüge. Seine Eltern leben nämlich gar nicht mehr. Und er, der Hobbyzauberkünstler, stiehlt einfach die Sachen, die er hat oder verschenkt. „Kein Mensch ist ohne Fehler“, sagt Jojos Vater einmal. Aber wie geht man mit so etwas Schwerwiegendem um? Pohl winkt nicht mit dem Holzhammer, konfrontiert Jojos Unsicherheit immer wieder mit Einwürfen ihres Vaters, der skeptisch ist, und die Geschichte geht auch nicht gut aus. Und dennoch stimmt sie den Leser nicht pessimistisch. Denn schließlich ist Anton doch ein liebenswerter Kerl. Und Jojo mag ihn. Trotz allem.