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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:37

Heinz Janisch, Isabel Pin: Du Gruselgorilla! Du Schmusegorilla!

11.03.2010

Verbalunterstützung für Liebende und Wutentbrannte

Eigentlich sind Liebe und Wut ja zwei Dinge, die sich schlecht unter einen Hut bringen lassen. Allerdings bedürfen beide Gefühlsregungen verstärkt des verbalen Ausdrucks - selbst schon in jungen Jahren. Hier wurde jetzt Abhilfe geschaffen für alle, die dabei dringend Unterstützung brauchen. Von BEATE MAINKA

 

Das flexible, klein- und querformatige Bilderbuch ist von beiden Seiten zu lesen, und so erklärt sich auch, dass beide Bedürfnisse, die des Schimpfens und die des menschlichen Gurrens, bedient werden können. Nach einer gereimten Einführung geht es auch gleich los mit den Vorschlägen, hübsch thematisch geordnet.

 

Zwitschervogel und Heulgespenst

Da wird, wie der Titel verspricht, das Tierreich bemüht, mit so schönen außergewöhnlichen Koseworten wie Tag- und Nachtigall oder Samtpfote. Mit Stinkkäfer oder Affenfloh hingegen lässt es sich vortrefflich schimpfen. Auch Themen wie Obst und Gemüse (Bananenverbieger oder Zimtschnecke), Dinge und Objekte (Felsenschädel oder Polsterschlachtweltmeisterin) oder der Körper (Ohrenkrauler oder Sumpfnabel) erweisen sich als äußerst ergiebig.

 

Übrigens tun die Schimpfwörter niemandem wirklich weh, "Affenpopo" ist schon die wirklich allerschlimmste Verbalattacke. Aber dass ein kräftiges Schimpfwort zur rechten Zeit befreiend wirken kann, das gesteht Heinz Janisch seinen jüngsten Lesern und insbesondere deren Eltern schon zu. Dem Erfindungsreichtum sind jedenfalls keine Grenzen gesetzt und in der Mitte des Büchleins, wo sich beide Teile treffen, können fantasiebegabte Sprachakrobaten ihre eigenen Worterfindungen aufschreiben.

 

Wie malt man ein Urx?

Vor diesem Problem stand Isabel Pin bei der Illustrierung des Titels - und sie hat es überzeugend gelöst. Wie, wird nicht verraten, lassen Sie selber Ihre Fantasie spielen! Auf jeder Doppelseite wird einer der zahlreichen Begriffe bildlich dargestellt, und Pin verfügt über hinreißende Ideen, insbesondere bei den Schimpfwörtern. Ihr Heulgespenst ist eindrucksvoll gruselig und den Kirschkernverschlucker kann nun wirklich keiner mögen.

 

Kurz und gut, das Buch ist ein herrlicher Spaß für Jung und Alt, zum gemeinsamen Anschauen ebenso geeignet wie zum Alleine-vor-sich-hin-Schwärmen oder -Schäumen. Und das ganz ohne pädagogischen Zeigefinger, völlig wertfrei und höchst brauchbar. Man muss ja nicht immer bei der Lektüre eines Bilderbuches etwas fürs Leben lernen, obwohl, auch Werben und Beschimpfen will gelernt sein. Wer den pädagogischen Überbau dann doch nicht ganz außer Acht lassen kann: Nun, das Jonglieren mit Sprache hat noch niemandem geschadet, im Gegenteil!

 

 

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