Ein Fisch namens Piranha
In diesem Buch erzählt nur einer, und das ist Anton selbst. Milena Baisch schafft ihm einen wundervollen Rahmen. Anton kündigt an: „Jetzt erzähle ich die Geschichte.“ Er holt aus, beginnt an jener Stelle, wo er noch ahnungslos und durchaus voller Vorfreude in der Badehose im großelterlichen Auto zu diesem Horrorplatz unterwegs ist. „… hier sind Chips. Ich habe auch extra Popcorn gemacht: Ihr sollt zuhören und sitzenbleiben, alles klar?“
Am Ende wird deutlich werden, dass damit seine Eltern gemeint sind. Aber wir bleiben alle brav sitzen, lauschen andächtig jenem Helden, der eigentlich als Starflashman alle Probleme der Welt in den Griff kriegt, aber vor dem See kapituliert. Wie gut, dass er einen Freund findet. Einen Freund, der zuhört, der diskret ist, der Anton Tag für Tag von morgens bis abends und von abends bis morgens Gesellschaft leistet: ein Fisch. Genauer gesagt: ein Barsch. Ein Barsch, dem Anton einen Namen gibt - Piranha.
Anton ist alles in einem: ein frecher Sprücheklopfer, ein braver Enkelsohn, der die Erwartungen von Oma und Opa nicht enttäuschen möchte, ein Möchtegerndraufgänger, der virtuelle Siege davon trägt, ein treuer Freund, ein kleiner Angsthase, ein scheuer Träumer und ein fantasievoller Held. Und er darf alles davon sein, darf sich zögernd Schritt für Schritt den Herausforderungen stellen, die diese Ferien für ihn mit sich bringen. Seite um Seite erlebt man seine Erfolge, seinen wachsenden Mut und seine Bereitschaft, sich tatsächlich auf etwas ganz Neues, Ungewohntes einzulassen.
Das ist so hinreißend einfach erzählt, dass man einfach nur bewundernd staunen kann, mit welch schlichten Mitteln große Literatur für Kleine gelingt. Und das große Finale, ein Schlusspunkt unter eine leise Geschichte, die mit fantastischen Höhepunkten aufwartet, ist eigentlich klar: eine grandiose Arschbombe!