Achtung, fertig, Baustelle!
22.04.2010
Wie ein Haus geplant und gebaut wird
Baustellenbilderbücher stehen in der Rangliste kleiner Jungen ganz oben, da brummt der Laster, der Bagger bewegt Tonnen von Erde und über allem thront hoch oben der Kranführer. Dass ein Hausbau aber viel mehr umfasst als den Einsatz von großen Maschinen, das erklärt ein Schweizer Autorenteam seinen jungen Lesern ganz genau und landete damit auch prompt auf der Nominierungsliste zum diesjährigen Jugendliteraturpreis in der Sparte Sachbuch. Von BEATE MAINKA
Tims Eltern wollen ein Haus bauen, sie haben ein Grundstück gekauft, auf dem eine alte Tankstelle steht und wollen nun in einem Straßenzug mit schönen Gründerzeithäusern diese Baulücke schließen.
Der Bagger kommt erst später
Am Anfang steht nicht der Bagger, sondern der Architekt, und das ist zu Tims großem Glück sein Onkel Hannes, der ihn täglich mit zur Baustelle nimmt und ihm genau erklärt, was alles getan werden muss. Das ist grafisch höchst geschickt umgesetzt, denn auf den ersten Blick, auf der rechten Doppelseite, ist ein detailverliebtes, in allen technischen Details genau ausgearbeitetes Bild von den Fortschritten auf der Baustelle zu sehen. Die linke Seite kann noch einmal zur Hälfte ausgeklappt werden und hier erfährt der junge Bauherr, was ein Architekt eigentlich im Vorfeld macht, damit die Gewerke hinterher auch reibungslos ineinandergreifen. Er entwirft den Grundriss, plant die Gestaltung der Fassade, unterstützt den Bauherren bei der Innengestaltung wie etwa bei der Auswahl der Fliesen, der Bodenbeläge oder der Bäder. Doch die Innenseiten stellen auch genau dar, wie eine wärmeisolierende Wand aufgebaut ist, wie eine Betondecke gegossen wird oder wer nach der Fertigstellung des Hauses die Gestaltung des Grundstückes plant, ebenso was die einzelnen Handwerker alles anstellen, damit Strom, Wasser und Heizung funktionieren. So wächst nach und nach das Haus in die Höhe, mal sehen wir es von oben, wenn vom Fundament aus die Mauern in die Höhe gezogen werden, mal sehen wir hinter die Fassade, um die Gipser, Heizungstechniker und Elektriker bei ihrer Arbeit zu beobachten. Dabei dürfen wir auch in die Nachbarhäuser links und rechts einen Blick werfen und lernen mit Tim, der immer irgendwo auf seinem riesigen Abenteuerspielplatz mit anpackt, die neuen Nachbarn kennen. Und dann ist der Einzug und Tim zeigt uns stolz sein Fotoalbum, in dem er alle Handwerker verewigt hat, die zu „seinem“ Hausbau beigetragen haben.
Unverzichtbar für alle Häuslebauer
Dieses Buch nimmt kleine Bauherren ernst, es zeigt, wie viele kleine und große Schritte nötig sind, bis ein bewohnbares Haus auf dem Grundstück steht. Selbst für größere Kinder und Erwachsene bietet es einen hohen Informationswert, das eigentlich Faszinierende ist aber die Fähigkeit der Autoren, einen hochkomplexen Sachverhalt wie die Entstehung eines Hauses schon Kindern im Vorschulalter begreifbar darzustellen. Das hat mit dem „Stein auf Stein“ aus dem Kinderlied von den fleißigen Handwerkern nicht mehr viel gemein, sondern verdeutlicht, wie viel logistisches Denkvermögen gebraucht wird, um auf einer Baustelle, an der so viele unterschiedliche Berufssparten beteiligt sind, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Und damit eignet sich dieses wunderschön gestaltete, höchst informative Bilderbuch auch durchaus als Grundfibel für all diejenigen, die sich, gemeinsam mit ihren Kindern, auf das Abenteuer Hausbau einlassen wollen.
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