Trostlosigkeit
Es kommt aber noch schlimmer: Das unsägliche Leid umwölkt die ganze Welt und legt sich finster und schwer auf alles und jeden. Auf den Baum, der vor lauter Schmerz seine Blätter abwirft, auf das Feuer, das schuldbewusst erlischt, und auf den Wind, der über die schreckliche Nachricht so bestürzt ist, dass er eine Bö verliert: „Sie irrte ziellos durch die Welt und fuhr zum Himmel empor.“ Und der wird kreidebleich als sie ihm erzählt, was passiert ist, „und als der Mensch den weißen Himmel sah, verschlug es ihm die Sprache.“ Zu ist plötzlich der geschwätzige Mund, ein kleiner, schwarzer Strich nur noch, und die vorher vergnügt blitzenden Augen sind auf einmal nur noch leblose, schwarze Schlitze.
Doch so betrübt und hoffnungslos lässt der Uruguaysche Schriftsteller Eduardo Galeano die Erzählung nicht enden. Ein Retter taucht auf: Es ist der Töpfer von Ceará, und der will alles wissen: „Schließlich fand der Mensch die Sprache wieder“ und erzählt ihm die ganze Geschichte vom ertrunkenen Papagei. Daraufhin nimmt der Töpfer alle Trauer, alles Leid und Mitgefühl in seine riesengroßen Hände, die daran gewöhnt sind, zu kneten und zu erschaffen, und haucht so dem toten Vogel neues Leben ein: Schöner ist der Wiedergeborene jetzt mit seinem farbenprächtigen Federkleid, das„so rot wie das Feuer“ ist, „so blau wie der Himmel, so grün wie die Blätter des Baumes.“ Und plötzlich hat er auch noch „Menschenworte zum Sprechen“ und „Tränenwasser zum Trinken“ und fliegt dann durch das offene Fenster auf der „Bö des Windes“ davon.