Auf der Straße, beim Einkaufen, vielleicht wohnt er sogar gleich nebenan. Herr Balaban und seine Tochter Selda sind nicht von hier. Sie hinterfragen Dinge, die für uns selbstverständlich sind. Ihre Antworten sind oft befremdlich, manchmal witzig. Irgendwie scheinen sie die Welt mit anderen Augen zu sehen als wir.
Herr Balaban ging mit seiner Tochter fischen. Zuerst fischten sie einen alten Teekessel aus dem Teich, danach einen alten Schuh, dann noch eine verrostete Kaffeemaschine und ein Bügeleisen. "Gehen wir lieber", sagte Selda zu Herrn Balaban, "ich glaube, da unten wohnt einer."
Martin Auer hat sich die 222 Geschichten von Herrn Balaban nicht alle selbst ausgedacht. Viele von ihnen, die als Witze und Anekdoten kursieren, kennen wir schon. Herr Balaban ist angeblich ein Nachfahre des berühmten Mullah Nasreddin Hodscha. Und der wiederum war so eine Art Till Eulenspiegel, der irgendwann im 14. Jahrhundert im heute türkischen Akschehir lebte und seine Späße trieb. Manchmal hintergründig, manchmal ganz schlicht sind auch Herrn Balabans Entgegnungen.
"Wozu werden eigentlich Katzenfelle gebraucht?" fragte jemand Herrn Balaban. "Die? Um Katzen darin aufzubewahren!"
222 Mal gelingt die Verblüffung. 222 Mal halten wir inne, überlegen und lachen über die Äußerungen dieses Schelms.
Andrea Wanner
Martin Auer: Herr Balaban und seine Tochter Selda.222 Geschichten. Mit 100 zweifarbigen Bildern von Linda Wolfsgruber.
Beltz & Gelberg 2002. Gebunden. 174 Seiten.
14.90 EUR.
ISBN: 3-407-79844-X