Auch Max und Philipp haben ihre eigenen Vorstellungen vom Zirkus, zu denen tollpatische Clowns, mutige Akrobaten und wilde Löwen gehören. Dann kommt ein Zirkus in die Stadt und ein neues Mädchen in die Klasse: Isabella. Sie ist nicht nur die Tochter des Zirkusdirektors, sondern darf sogar tatsächlich mit einer eigenen Nummer bei den Vorstellungen auftreten. Natürlich sind alle aus der Klasse begeistert. Auch wenn manche mit der Situation eine Zirkusprinzessin in der Klasse zu haben, nicht ganz klar kommen, so wie der Mathelehrer Caspari.
Er drehte sich zur Tafel um, schrieb etwas an und sprach dabei: "Ein Zirkus hat 500 Sitzplätze."
Isabella rief: "Unser Zirkus Rockyvalli hat 612 Plätze."
"Sprich nur, wenn du gefragt wirst", sagte Caspari streng. "Also 500 Sitzplätze." Er schrieb weiter und las zugleich vor, was er geschrieben hatte. "100 Plätze sind in der ersten Reihe. Jede Eintrittskarte für diese Plätze kostet drei Euro. 150 Plätze in der Mitte kostet jeder zwei Euro, und wenn man auf den hinteren Plätzen sitzen will, muss man einen Euro bezahlen."
"Der Zirkus muss eine Bruchbude sein", sagte Isabella. "Bei uns kostet der beste Platz in der Loge 12,50 Euro und der billigste vier Euro."
"In meinem Zirkus ist das anders!"
"Haben Sie denn auch einen Zirkus?" fragte Isabella erstaunt.
Caspari ging nah an Isabella heran und sagte: "Diese Klasse hier ist für mich genug Zirkus. Schluss jetzt. Nun wird gerechnet. Wie viel nimmt dieser Zirkus bei einer Vorstellung ein?"
"Ist er ausverkauft?" fragte Isabella.
"Ja, ausverkauft. Aber nun halte endlich deinen vorlauten Mund."
Isabella flüsterte zu: "Dann war an dem Abend im Fernsehen bestimmt nichts los. Ausverkauft, das kommt nämlich nur ganz selten vor."
In lockerem Ton erzählt Willi Fährmann vom Zirkusleben vor und hinter den Kulissen. Er berichtet von finanziellen Sorgen, Problemen in der Schule durch den ständigen Schulwechsel und einem harten, anstrengenden Leben, von dem die Zirkusbesucher bei einer glitzernden, gelungen Show nichts spüren. Junge Leser lernen eine Seite des Zirkus kennen, von der sie nichts wussten. All das verpackt Fährmann in eine spannende Geschichte. Denn als die Freunde Max und Philipp von der Krise erfahren, in der der Zirkus steckt, ist sofort klar, dass sie helfen müssen. Überraschende Ideen und pfiffige Einfälle sorgen für ein Happy End. Isabella, Zirkuskind gelingt es, mit Klischees aufzuräumen, ohne dass der Zirkus deshalb an Zauber verliert.
Andrea Wanner
Willi Fährmann: Isabella Zirkuskind.
Arena 2002. Gebunden. 160 Seiten.
Ab 8 Jahren. 10,50 EUR.
ISBN: 3-401-05391-4