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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:40

Steinkellner / Roher: An Herrn Günther mit bestem Gruß!

13.05.2010

Denkzettel

Herr Günther ist ein unangenehmer Zeitgenosse. So einer, mit dem man eigentlich nichts zu tun haben möchte. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die drei Freundinnen Noemi, Valerie und Yasmina. Nur ihre Reaktion ist anders als erwartet. Von ANDREA WANNER

 

Die drei Mädchen aus der Senftalgasse sind allerbeste Freundinnen, ein fröhliches Multikulti-Trio, das jede Menge gemeinsame Interessen hat. Zu denen gehört das Streicheln der faulen Nachbarskatze oder das Tanzen zu lauter Musik ebenso wie das Fingernägellackieren mit Filzstiften. Und ausgerechnet die lebenslustigen Drei bekommen einen griesgrämigen, schnurrbärtigen Mitbewohner in der Senftalstraße: Günther.

 

Erste Kontakte

Schnell gibt es genau drei Gründe, warum sich die Mädchen übern Herrn Günther ärgern. Erstens wirft der Raucher seine Zigarettenkippen in der Gegend herum (und verbrennt damit beinahe den Schwanz der Katze). Zweitens meckert er Jan an, der im Rollstuhl sitzt und drittens streitet er lautstark mit seiner Frau. Drei gute Gründe eigentlich, sich von diesem unsympathischen Zeitgenossen fernzuhalten. Nicht für Noemi, Valerie und Yasmina. Die halten gemeinsam Kriegsrat (im Indianerinnenkostüm), fertigen eine Liste mit Dingen, die sie an Herrn Günther stören und werden aktiv.

 

Zwei Möglichkeiten

Von den zwei möglichen Wegen, mit einem Problem umzugehen, entscheiden dich die jungen Damen für die entschieden aufwändigere Variante, die einiges an Zivilcourage von ihnen fordert. Statt den Miesepeter einfach zu ignorieren und ihm aus dem Weg zu gehen, entscheiden sie sich für einen wirklich originellen Weg, ihn mit seinen Verfehlungen zu konfrontieren. Das setzt einiges an Arbeit voraus, wird von langer Hand eingefädelt, sorgfältig geplant und ebenso sorgfältig ausgeführt. So kommt es, dass Herr Günther am Montag ein kleines Päckchen bekommt. Richtig mit der Post, gut verschnürt und mit verblüffendem Inhalt. Es enthält zum einen die gesammelten Kippen, die er achtlos hat fallen lassen. Und zum anderen einen kleinen Aschenbecher mit Blümchen, an dem ein Zettel baumelt: „An Herrn Günther mit bestem Gruß“. Das ist der Auftakt einer Aktion, die am Dienstag und Mittwoch mit nicht weniger originellen Ideen weitergeführt wird und die Herrn Günther am Donnerstag Kopfschmerzen beschert.

 

Drei starke Mädchen

Das Dreamteam hat es geschafft: Herr Günther denkt nach. In drei dicken Denkblasen finden sich die Szenen, die die ganze Aktion ins Rollen gebracht haben. Das Breitformat des Bilderbuchs nützend haben Elisabeth Steinkellner und Michael Rohrer dieser Entwicklung viel Zeit gelassen. Steinkellner erzählt pointiert und prägnant, kein Wort zu viel – dafür sitzt jedes und erreicht die Zielgruppe: Kinder ab fünf Jahren. Das beginnt mit den „Steckbriefen“ der Mädchen, die sich auf charmante Art gleich zu Beginn charakterisiert werden und endet in einem Ausblick, für den es auch nur einige wenige Sätze bedarf. Michael Rohrer begleitet diese erstaunliche Entwicklung mit pastelligen Szenen in fast monochromen Brauntönen, nur gelegentlich durch einige blaue oder rote Farbtupfer belebt. Er lässt seinen Figuren viel Raum, hingekrizzelte Strichmännchen auf den ersten Blick, auf den zweiten wundervolle Charakterstudien mit Humor und Tiefgang.

 

Mit Schnappschüssen von Günther und den vielen Möglichkeiten, die er jetzt hat – alle vorsichtig im Konjunktiv formuliert oder mit einem Fragezeichen versehen – verabschiedet sich ein originelles Bilderbuch, das einen neuen Blick auf alltägliche Probleme wagt. Nein, stimmt nicht: das allerletzte Bild gilt unseren drei Heldinnen, Valerie, Noemi und Yasmina, die eigentlich einen Orden verdient hätten und denen wir die Daumen drücken für noch viele weitere Aktionen.

 

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