Lebenskunststück, musikalisch
Der Rosaton des Covers, das zudem auf der Vorderseite eine Sahnetorte samt einem Marzipan-Flügel zeigt, vermittelt den Eindruck, dass es sich bei Zoes Geschichte eher um leichtere Lektüre handelt. Der humorvolle Blick, den die Heldin auf die Geschehnisse um sie herum hat, trägt dazu nur bei. Tatsächlich aber nimmt sich Urban in ihrem ersten Kinderbuch ernster Probleme an. Zoes Vater ist in seinen Schwächen zwar liebenswert gezeichnet, aber keineswegs eine Witzfigur, sondern ein lebensuntüchtiger Mann mit ernsten Problemen, die er nicht bewältigen kann.
Zoes Mutter ist patent und beruflich hochkompetent, aber in ihrer Selbstsicherheit zugleich rücksichtslos. Vor Schulproblemen und ersten Schwierigkeiten der frühen Pubertät, etwa, wenn die beste Freundin plötzlich nur noch an Kleider, Diskomusik und Jungen denkt, steht Zoe alleine. Ebenso mit der Entdeckung ihres größten Wunschs, nämlich Klavierspielen zu lernen. Sie ist ein ausgeglichenes Kind, aber ihre lakonischen Kommentare sind nicht immer ganz frei von ersten Spuren der Bitterkeit und in ihrem Witz steckt mitunter ein Stachel, der ungewöhnlich ist für ihre zehn Jahre und ein klarer Hinweis darauf, dass sie es nie leicht hatte mit ihren Eltern.
Die Geschichte ist voller Situationskomik und Wortwitz, die Figuren sind ins Exzentrische überzeichnet, aber nie so, dass sie unglaubwürdig würden. Das ermöglicht Urban, blitzartig und völlig überzeugend von Dur in Moll überzuwechseln. In der fröhlichsten Melodie klingen mit einem Mal Dissonanzen, die beim Lesen immer mahnen zu bedenken, dass Familienleben alles andere als einfach ist.
Dass Zoe mit ihrem Kampfgeist ihre Eltern dann doch noch ansteckt, ist ebenso lustig wie glaubwürdig erzählt. Darüber hinaus ist Zoes Geschichte eine kleine und aufdringliche Liebeserklärung an das Klavierspielen. An Klaviermusik, klassisch und populär, an Kunst und Können, trotz Mühen und Ängsten, an die Perfektion, die nicht im abstrakt Vollkommenen, sondern im Individuum selbst liegt, gleich, wie wenig vollkommen es ist.