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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:41

Anne Maar / Anke Faust: Applaus für Caruso

20.05.2010

Der weite Weg zum Ruhm

Wer sein Kind „Caruso“ nennt, muss billigend in Kauf nehmen, dass es sich zu Höherem berufen fühlt – auch wenn das Kind nur eine winzige Maus ist. Von ANDREA WANNER

 

Caruso kommt zu den Tönen von Schokoladenpapierknistermusik in einem Holzradio zur Welt. Seine Mutter, ein Klassikfan, nennt so die alten Aufnahmen, bei denen es so knistert als ob sich eine Maus durch das Papier zu einer Tafel Schokolade hindurch knabbert. Ihre Leidenschaft zur Klassik spiegel sich bereits in den Namen seiner drei älteren Geschwister wider, aber Frederick, Fanny und Franz spüren wenig Neigung zu Chopin, Mendelssohn und Schubert. Leider geht das Radio eines Tages kaputt und die Familie zieht um: in ein Theater. Und dort fasst der kleine Caruso den Entschluss, berühmt zu werden. Aber wie?

 

Talentsuche

Was kann der kleine Mäuserich schon Besonderes? Sein Gesang ist bestenfalls mittelmäßig, da hilft auch der Name eines berühmten Opernsängers nichts. Maler vielleicht?  Seine ersten Versuche mit Farbe enden im Farbtopf. Also auch nichts. Musiker? Immerhin gibt es einen Raum voller Instrumente, der von Geigen über Blechblasinstrumenten bis zu einer Harfe alles beinhaltet, was ein Musikerherz höher schlagen lässt. Caruso entscheidet sich für das Klavier. Und weil so ein Tasteninstrument für eine Maus nicht ganz einfach zu bedienen ist, hüpft und rennt er über die Tasten. „Wie im Radio!“ ist er begeistert. Der vernichtende Kommentar seiner Mutter dagegen lautet: „Das ist ja schrecklich! Moderne Musik, die kann ich überhaupt nicht leiden!“ Was bleibt jetzt noch übrig, um Caruso berühmt zu machen?

 

Anne Maar und Anke Faust begleiten den kleinen Helden auf seinem Weg zum Ruhm. Als Jüngster von Vieren steht er natürlich von Anfang an ganz schön unter Druck. Mit geschwistertypischen „Siehst!“-Sprüchen garniert Anne Maar die Misserfolgsstory des Nesthäkchens. Auf liebevoll gestalteten Collagen hat Anke Faust vom ersten Bild an Requisiten versteckt, die zum Leben im Scheinwerferlicht gehören. Eintrittskarten, Noten, Plakate, Programme: Caruso wird in einer Welt groß, die von Kunst und Musik geprägt ist. Wir erinnern uns, wo seine Wiege in Gestalt einer Nussschale stand…

 

Das große Finale

Soll denn gar nichts Großes aus ihm werden? Gönnen würden wir es ihm von Herzen, dafür haben nicht zuletzt die niedlichen Mäusebilder gesorgt, die die kleinen Nager als vermenschlichte, sympathische Knuddeltiere zeigen. Und das Dilemma des Möchtegernkünstlers, der wenig Talent mitbringt, geht auch nahe. Er soll sie erobern dürfen, die Bretter, die die Welt bedeuten. Und er bekommt ihn, seinen großen Auftritt. Augenzwinkernd, mit viel Witz – und tosendem Applaus, der auch dem Bilderbuch und seinen beiden Künstlerinnen gebührt.

 

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