Lilli Thal: Kommissar Pillermeier im Filmfieber / ab 8
12.03.2004
Film ab!
Der dritte Fall wartet auf Kommissar Pillermeier und seinen Assistenten Rudolf Flotthammer, die ihr Dasein noch immer in der Provinz fristen müssen. 646 Tage soll ihre Strafversetzung noch dauern, aber es scheint sich was in dem kleinen Städtchen zu tun.
Ein amerikanisches Filmteam will einen Western drehen. "Diese Stadt ist Wildwest pur!" schwärmt nämlich der bekannte Hollywood Regisseur Joe Hamburger und will alle Rollen mit Bewohnern der Stadt besetzen. Keiner ahnt, dass Hamburger ein ausgebuffter Betrüger ist und es in Wirklichkeit auf die Diamanten von Königin Mathilde der Zweiten abgesehen hat. Arglos stürzen sich alle Bewohner in das grandiose Abenteuer. Ein Film! Und sie dürfen mitspielen! Alle lassen sich anstecken und sind wie Kommissar Pillermeier im Filmfieber. Und so beginnen die Vorbereitungen für den ersten Drehtag.
"Wenn jetzt bitte alle mal herhören würden", wie ein Hütehund seine Schafe trieb Regisseur Hamburger seine Schausspieler zusammen. "Bevor wir die ersten Einstellungen schießen…"
"Wie? Was?", fragte Bankier Rattenkuhn aufgeregt. Wird denn schon geschossen?"
"Er spricht von Filmaufnahmen", erklärte Studienrätin Trimm.
"… gilt es einige wichtige Fragen zu klären", fuhr Joe Hamburger fort. "Wer von Ihnen kann reiten?"
Drei Finger schossen in die Höhe: der erste von Alois Sternblau - "der Häuptling der Koma - hicks, der Toma - hicks, der Koma-tschen ist im Sattel geboren" -, der zweite von Isolde Trimm - "vergessen Sie nicht, ich bin Sportlehrerin!" -, und der dritte - von Kommissar Pillermeier!
"Der Hometrainer zählt aber nicht als Pferd, Chef", wandte Assistent Flotthammer ein.
"Wer spricht von Hometrainern?", fragte Kommissar Pillermeier von oben herab, dabei schielte er zu Isolde Trimm. "In meiner Jugend war ich ein begnadeter Polospieler. Meine Korbwürfe waren gefürchtet … Was bitte, gibt's da zu lachen?" fuhr er Studienrätin Trimm an.
"Nichts, nichts", entgegnete sie. "Ich freu mich auch immer, wenn ich beim Turmspringen schon im zweiten Break einloche."
"Chef", Rudolf Flotthammer kratze sich am Hinterkopf. "Kann es sein, dass Sie …"
Er sprach nicht weiter, denn nun erschien Shorty und winkte alle Schauspieler nach draußen. Vor dem Hotel warteten sieben gesattelte Pferde, die Shorty in Ermangelung einer Stange an die Fahrradständer gebunden hatte.
"Die Tiere werden freundlicherweise vom örtlichen Reitstall zur Verfügung gestellt", erklärte Joe Hamburger. "Laut Besitzer sind sie lammfromm."
Kommissar Pillermeier umschlich die Pferde in sicherem Abstand. "Ziemlich hoch", stellte er fest. "Und der Blick - irgendwie tückisch… Nein", erklärte er kategorisch, als Joe Hamburger eine einladende Geste machte. "Extreme Höhe und tückischer Blick - auf diesen Tieren reite ich nicht. Bringen Sie mir eine andere Sorte Pferd."
Bei so viel Sachkenntnis und Mut kann ja gar nichts mehr schief gehen. Film ab! Wo das Duo Pillermeier und Flotthammer zugegen ist, hat das Verbrechen keine Chance! Und jetzt haben sie auch noch Verstärkung bekommen: Winzgrimm heißt der neue, ein Polizei- und Filmhund mit Züchterprädikat "klein, listig, gefährlich". Lilli Thal, die für den ersten Fall von Kommissar Pillermeier mit dem Martin 2002, dem Preis für den besten Kinderkrimi, ausgezeichnet wurde, scheut auch im dritten Einsatz der beiden Top-Typen weder Klamauk noch Slapstick. Nicht von ungefähr erinnern Pillermeier und Flotthammer ein bisschen an Dick und Doof. Ihre ausufernde Fantasie und die vielen witzigen Bilder von Franziska Biermann sorgen dafür, dass kein Auge trocken bleibt.
Andrea Wanner
Lilli Thal: Kommissar Pillermeier im Filmfieber.
Mit Bildern von Franziska Biermann.
Rororo Rotfuchs 2003. Gebunden. 156 Seiten.
Ab 8 Jahren. 9,90 Euro.
ISBN: 3-499-21229-3