Keri Smith: Mach dieses Buch fertig
17.06.2010
Vom Umgang mit Büchern
Wasch dir vor dem Lesen die Hände! Vorsicht, keine Eselsohren! Nimm das Buch nicht mit in die Badewanne! Unser Verhältnis zu Büchern ist von Anfang an bestimmten Regeln unterworfen, zu denen missbilligende Elternblicke gehören, Schutzumschläge, Lesezeichen und mahnende Worte. Und jetzt das! Von ANDREA WANNER
„Mach dieses Buch fertig“ wird der Leser ganz direkt aufgefordert – und ist wohl zunächst mal verblüfft. Fertig? Ist denn das, was man da in Händen hält, noch nicht fertig? Nein, tatsächlich gibt es Frei- und Spielräume, die die Künstlerin Keri Smith den Lesern gelassen hat. Nicht, weil ihr selber nichts mehr eingefallen wäre. Ganz im Gegenteil… Fertig machen? Bedeutet das am Ende gar „kaputt“ machen? Tja, auch das ist nicht ganz falsch. Hier rücken wir einem Buch auf neue, gänzlich ungewohnte Art zu Leibe. „Erschaffen ist zerstören“ lautet dabei das Motto.
Eindeutig
Die Anweisungen sind klar und unmissverständlich. Knappe Imperative, die sich direkt an DICH richten. Ganz vorne ist Platz für den Namen: „Dieses Buch gehört“. Kennt man. Aber dann soll er da stehen, der eigene Name. In Weiß auf weißem Papier. Oder unleserlich geschrieben. Ganz winzig. Ganz groß… Das stimmt schon ein auf das, was dann folgt und was letztlich in der Ermunterung gipfelt „Vergiss alles, was du über den Umgang mit Büchern gelernt hast.“ Und dann kann es los gehen. Seite um Seite erwarten uns neue Überraschungen, die Kreativität und Fantasie fordern, manchmal auch Mut und die zu verblüffenden Ergebnissen führen können.
Vielseitig
Was kann man nun eigentlich alles mit diesem Buch machen? „Knüpfe das Buch an einem Faden auf. Schleudere es wild herum. Lass es gegen Wände knallen.“ - „Herausreißen. Zusammenknüllen.“ – „Ziehe deine Kreise.“ – „Klebe irgendeine Zeitungsseite ein.“ – „Besticke diese Seite.“ - „Verliere diese Seite. (Schmeiß sie raus.) Akzeptiere diesen Verlust.“ – „Lass etwas auf diese Seite tropfen. (Tinte, Farbe, Tee) Klapp das Buch zu und mache einen Abdruck.“ Das sind nur einige Vorschläge aus einer Fülle von Ideen, die einer bibliophilen Rezensentin manchmal die Haare zu Berge stehen lassen. Schwarz-weiß mit unterschiedlichen Schriftarten graphisch originell gestaltet, liegt es an DIR, Farbe ins Buch zu bringen. Und Fotos, Fundstücke, Essensreste… Es gibt keine Grenzen.
Einzigartig
Es ist ein All-Age-Buch, das je nach Alter zu einem ganz anderen Objekt werden wird. Es rüttelt an Tabus, ist ein Befreiungsschlag, eine Respektlosigkeit – die in dieser Art natürlich nicht jedem Buch zukommen soll. Es wird Leser in Lager spalten. Die einen wird es begeistern, die anderen entsetzen. In den USA wurde es ein Bestseller. Es ist ein Experiment. Und wer damit fertig ist, hat etwas ganz Persönliches. Etwas, mit dem er dann die letzte Anweisung befolgen kann: „Klebe dieses Buch zu. Schicke es an dich selbst.“ Und freu dich, wenn du dein Buch in der Post wiederfindest. Unverwechselbar und eigen.
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