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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:43

Ruth Löbner: Jonas, Papa und der Tauschsonntag

22.07.2010

Von Wochenendevätern und anderen (Un-)Glücksfällen

Papa ist ein richtiger Pechvogel: Gestern ist ihm der Toast angebrannt, beim Einkaufen hat er das Geld vergessen, beim Geldholen war die Waschmaschine ausgelaufen, beim Mittagessen ist die Soße explodiert, beim Spülen hat er aus Versehen Waschmittel in die Spülmaschine gefüllt ... Von GEORG PATZER

 

Und heute, als er aufwacht, fängt es gleich wieder an: Da steht er in einer Pfütze aus Kakao, sein Lieblingsbecher, der mit Spiderman, ist zerbrochen, und dann schneidet er sich auch noch. Jonas weiß: „Verletzte Väter brauchen einen Moment Ruhe. Und natürlich Trost.“ Und so setzt sich Jonas auf Papas Schoß und hat eine blendende Idee: Sie tauschen die Rollen. Papa darf Kind sein, und Jonas probiert sich im Vatersein.

 

Eine wunderbare Eingebung. Denn sofort ist alles gut: Jonas wischt auf, Papa will helfen. Besser nicht: „Pfeif ein Lied!“, sagt Jonas: „Das sagt Papa sonst nämlich immer, wenn er nicht will, dass Jonas bei irgendwas hilft.“ Dann macht Jonas Frühstück und wirft heimlich die verschimmelte Salami weg, beim Baden fängt Papa eine Spritz-Schlacht an und verschwindet danach im Kinderzimmer, wo er mit der Eisenbahn spielt, während Jonas aufwischt. Danach macht Papa die Mathe-Aufgaben, und Jonas verkündet: „Ich guck fern.“ Und wartet auf Protest. Aber es kommt keiner.

 

Lösungsstrategien

Ruth Löbner hat ein pfiffiges Kinderbuch geschrieben, über Wochenendväter und ihre Söhne und über zerbrochene Beziehungen. Aber sie hat weder die pädagogische Keule in der Hand noch wälzen ihre Figuren schwere Probleme. Im Gegenteil. Die Idee, dass der Vater jetzt das Kind ist, macht das Leben ganz einfach. Für alle drei. Denn der Vater ist jetzt seine ganze Verantwortung los, dass das Wochenende ganz besonders toll werden soll. Und schon passieren keine Katastrophen mehr, weil er nicht mehr im Stress ist. Jonas ist jetzt selbständiger und kommt mit seinem Vater viel besser und lockerer aus. Und die Mutter?

 

Alles ganz einfach!

Die Mutter sehen die beiden beim Eiskaufen, als sie vor ihnen in der Schlange steht und mit einem anderen Mann knutscht. Aber auch da hilft der Rollentausch: Denn Papa ist ganz freundlich und freut sich für die Mutter, statt eifersüchtig und traurig zu sein: „Da musste ich mir nicht ausdenken, wie ich als Papa reagiere, sondern als Jonas. Das war irgendwie einfacher“, sagt er. An dieser Stelle hat Löbner der Geschichte einen schönen Haken verpasst, an dem man lange hängen bleibt und nachdenken muss. Ein witziges, fröhlich stimmendes Buch mit intelligenten Wendungen.


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