Liebesgeschichten für junge Leser gibt es wie Sand am Meer. Über das übliche Strickmuster braucht man nicht viele Worte verlieren. Geschichten über Mädchen-freundschaften gibt es auch in Hülle und Fülle. Andrea Hensgen erzählt in ihrem Buch über die Freundschaft zwischen Isabell und Katharina, genannt Bella und Katze. Und sie erzählt die Liebesgeschichte von Bella und Lucca. Sie tut das auf eine so verblüffend andere Art, dass es schwerfällt, dem vielschichtigen Beziehungsgeflecht gerecht zu werden. Die Freundschaft zwischen den beiden 15jährigen Mädchen ist sehr intensiv und schließt Kontakte zu anderen Klassenkameraden aus. Ihre Vertrautheit gipfelt in einer Art Tagebuch, das immer von einer zur anderen und wieder zurück wandert. Dort halten sie ihre Gedanken über das Leben und die Liebe fest. Der 17jährige Lucca zieht neu in die Stadt und fühlt sich von Bella angezogen. Schnell wird er gewarnt, dass sie unnahbar sei, und seine Annäherungsversuche zwecklos bleiben würden. Es kommt anders.
Faszinierend ist die Sprache des Jugendromans. Denn Bella und Katze suchen sich ihre Vorbilder in Sachen Liebe nicht in Soaps oder Hollywoodfilmen sondern werden in der Bibel fündig.
Ich weiß, dass du unser Buch rein halten willst ... wie wäre es, wenn wir die Grenze durch die Sprache setzten? Mein Überschwang ist genauso gefährlich wie Alltagsgeschwätz, beides schießt viel zu schnell an dem vorbei, was einen tief berührt. Wenn wir schreiben, wie die Leute reden, brauchen wir unser Buch nicht geheim zu halten, dann gehört es zum Rest der Welt.
Wir schreiben uns doch, weil wir weiter gehen wollen, in unseren Gedanken und Fragen - wie sich die meisten mit dem Leben eingerichtet haben, so leicht werden wir es uns nie machen, so billig reden wir nicht. Die Bilder in der Bibel gefallen mir. Es liegt so viel Hochachtung darin, nicht bis zum Letzten auszusprechen, was Menschen empfinden.
Kamele ziehen des Weges, Isaak hebt seine Augen und geht Rebekka entgegen, sie legt ihren Schleier um. Weil wir beide verrückt sind, macht uns so was an, ich glaube nicht, kleine Katze, dass andere Mädchen ins Schwärmen geraten bei Kamelen, Zelten und einem alten, treuen Knecht.
Am Dienstag, den 20. November begegnen wir den Dreien zum ersten Mal und wenn wir sie am 5. Dezember wieder verlassen, wird alles anders sein, vieles "nicht bis zum Letzten" ausgesprochen. Atmosphärisch dicht und auf eine merkwürdige Art unwirklich erscheinen die Ereignisse dieser wenigen Tage. Sie ging in die Stadt, um sich die Mädchen anzuschauen heißt es im 1. Buch Mose, Kapitel 34. Die Rede ist von Dina, der einzigen Tochter Jakobs. Ihr Schicksal beschäftigt die Freundinnen auf ganz unterschiedliche Weise. Dina erlebt furchtbare Dinge. Das Leben von Isabell und Katharina steckt höchstens voller kleiner Sorgen. An zwei Wochen nehmen wir teil und erleben, wie eine Freundschaft zerbricht.
Andrea Wanner
Andrea Hensgen: Sie ging in die Stadt, um sich die Mädchen anzuschauen.
Carlsen 2002. Gebunden. 144 Seiten.
Ab 13 Jahren. 12,50 ¤.
ISBN: 3-551-58095-2