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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 15:28

Christoph Marzi: Helena und die Ratten in den Schatten

02.09.2010

Angst hat viele Gesichter

Es wird so allerlei gemunkelt in der neuen Stadt, in die Helena mit ihren Eltern und ihren beiden Schwestern gezogen ist. Zunächst sind es nur die anderen Kinder, aber dann warnen auch die Erwachsenen: Pass bloß auf, denn da sind Ratten in den Schatten. Von ANDREA WANNER

 

Helena ist eigentlich kein ängstliches Mädchen, aber sie bekommt in kurzer Zeit so viele Horrorgeschichten zu hören, dass sie sich ganz fest vornimmt, nie, aber auch gar nie in die Nähe der Schatten zu gehen. Den kleinen Timmie sollen die Ratten sich geschnappt haben, als er Kartoffeln aus dem Keller holen wollte. Eine Wanderergruppe ist angeblich dort gelandet, denn sie wurde nie mehr gesehen. Und Bradbury, ein Hund, der abends noch an der Leine in seiner Hundehütte war, war am nächsten Morgen spurlos verschwunden. Dort draußen lauert das Böse. Alles, was dunkel ist, ist gefährlich. Schatten muss man meiden. Helena lernt schnell und macht die Ängste der anderen zu ihren eigenen. Dafür gibt es aber auch etwas schönes Neues in ihrem Leben: Chico, ein kleines Spielzeugäffchen, das sie auf dem Dachboden findet und das zu ihrem besten Freund wird.

 

Dunkelheit

Im Dunkeln verändern sich die Dinge, wir können uns schlechter orientieren als bei Licht und überall könnte etwas Furchtbares lauern. Helena hat diese Angst nicht mitgebracht, ist aber in ihrer neuen Umgebung schnell davon zu überzeugen, dass man sich vor der Dunkelheit in Acht nehmen muss. Kein Problem, dann bleibt man eben zuhause, knipst das Licht an und vertreibt die Dunkelheit. Das funktioniert prima, bis eines Nachts Chico versehentlich aus dem Fenster fällt. Nun ist Chico eben nicht nur ein Spielzeugtier sondern ein Freund und Helena steht vor der Wahl ihn im Stich zu lassen und selber in Sicherheit zu bleiben – oder eben sich der schrecklichen Gefahr zu stelle, die da draußen im Dunkel auf sie lauert. In der Tat eine schwierige Entscheidung.

 

Mut

Christoph Marzi rührt mit seiner eindringlichen Geschichte an Urängsten. Wer kennt nicht das mulmige Gefühl, etwas aus dem düsteren Keller holen zu müssen? Wer war noch nie im Dunklen draußen und ist über einen vorbeihuschenden Schatten fast zu Tode erschrocken? Wie heimelig und gemütlich ist es drinnen, wenn draußen Nacht herrscht. Und wer wollte da schon mutterseelenallein nach draußen ins Ungewisse, Finstere?

 

Helena weiß aber, dass sie ihren Freund retten muss. So führt sie sich zunächst alle Situationen vor Augen, in denen sie fürchterlich mutig war. Damals, als sie ihrer älteren Schwester die riesige Spinne aus den Haaren gefischt hat. Oder als sie vom Zahnarzt hat behandeln lassen. Oder als sie zugegeben hat, dass sie es gewesen istr, die die weißen Yogasachen ihrer Mutter zu den schwarzen Schriftstellerklamotten ihres Vaters in die Waschmaschine gesteckt hat. In der festen Überzeugung, dass sie weiß, was Mut bedeutet, trifft sie eine schwerwiegende Entscheidung: sie verlässt das Haus und tritt in die Finsternis hinaus.

 

Zauber der Nacht

Von Anfang der Geschichte an unternimmt die Illustratorin Monika Parciak alles, um die Story echt gruselig wirken zu lassen. Und das gelingt ihr überzeugend! Da mögen Helena und die anderen Figuren in der Geschichte noch so süße Kulleraugen haben: wenn sie sie schreckensgeweitet aufreißen, spürt man das Entsetzen. Wundervoll hat sie bis zum diesem Moment mit den Unterschieden von Hell und Dunkel gespielt, nun wird es finster, nur zögernd sucht sich das Licht der Taschenlampe seinen Weg durch die Nacht. Und die empfängt Helena mit einem unvergleichlichen Zauber. Eine geheimnisvolle Magie durchströmt den Garten und zieht Helena in ihren Bann. Da gibt es duftende Blüten, Nachtfalter, eine Eule, knarzende Bäume  und quakende Frösche. Es ist wunderschön – und wenn wir schon fast dabei sind, uns zu entspannen, gibt es eine grandiose Überraschung!

 

Für diese Graphic Novel braucht man gute Nerven. Sie spielt statt mit dem bilderbuchtypischen Mittel der Suprise mit Suspense. Lange bleibt man im Ungewissen was die Gefährlichkeit der in den Schatten lauernden Nager angeht. Diese Spannung zerrt an den Nerven. Man kann Helenas Mut bewundern, ihr die Daumen drücken und überlegen, wie man selbst gehandelt hätte. Und am Ende ist alles wie behauptet und doch ganz anders.


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Kommentar:
hört sich ja abgekupfert an, von Wölfe in den Wänden
| von abraxas, 22.09.2010

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