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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:46

Judy Blume: Luis und Amanda

18.10.2010

Vom Nervzwerg und der Superschlauen

Gute Kindergeschichten zu schreiben, die man auch noch altersübergreifend vorlesen kann, ist eine hohe Kunst, die nicht jeder Kinderbuchautor beherrscht. Judy Blume, eine der schon fast klassischen amerikanischen, zeigt uns mit leichter Hand, wie man es macht. Von BEATE MAINKA

 

Luis ist ein völlig normaler, pfiffiger Erstklässler, der mit einer neunmalklugen älteren Schwester, genannt die Superschlaue, geschlagen ist. Amanda ist eine völlig normale, intelligente Drittklässlerin, die einen furchtbar nervigen, ständig präsenten kleinen Bruder, genannt der Nervzwerg, ertragen muss. Es sind also völlig normale Familienverhältnisse, über deren Alltag die beiden Geschwister abwechselnd aus ihrer Perspektive berichten. Da erzählt Luis stolz von seiner neuen Lupe, die er von Oma bekommen hat und die bei der Superschlauen heftige Neidattacken hervorrufen. Doch als der ätzende Billy aus der fünften Klasse Luis die Lupe abnehmen will, wird Amanda zur mutigen Löwin und sorgt dafür, dass ihr Bruder wieder ohne Angst zur Schule gehen kann. Und Amanda fährt ihr ganzes schwesterliches Register auf, um Luis zu überzeugen, dass ein Haarschnitt eine gute Alternative zum Pferdeschwanz ist. Sie weiß nämlich genau, warum Luis keine Lust aufs Haareschneiden hat.

 

Geschwister - nein danke?

Die erfahrene amerikanische Kinderbuchautorin Judy Blume, Jahrgang 1938, hat ihre kindlichen Helden und deren Lebenswirklichkeit genau im Blick. In ihren Geschichten dreht es sich um ganz alltägliche Dinge wie misslungene Übernachtungspartys oder den äußerst turbulenten Haustiertag in der Schule, dem Luis Lieblingskuscheltier zum Opfer fällt. Blume gelingt es mit leichter Feder und viel Dialogwitz, den kleinen und großen Katastrophen des Familienalltags eine komische Note abzutrotzen. Ganz nebenbei vermittelt sie ihren Lesern noch ein paar Hinweise auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens wie etwa die Bereitschaft, den anderen in einer brenzligen Situation zu unterstützen oder kleinere Unfälle vor den Eltern geheim zu halten. Aber die gegenseitige Zuneigung würden beide natürlich nie zugeben, was herrlich realitätsnah ist.

 

Ein Vorlesebuch für die ganze Familie

Immer wieder werden gerade Bibliothekare und Lehrer von Eltern nach guten Vorlesebüchern gefragt, die verschiedene Altersgruppen unter einen Hut bringen, ohne eine davon zu langweilen. Voilá, hier ist eins! Kleinere Kinder werden sich im Nervzwerg wiederfinden, die größeren Amandas  zumeist souveräne Haltung gut nachvollziehen können, ältere Jugendliche werden sich grinsend an ihre eigene Kindheit erinnern und wir erwachsenen Vorleser werden uns köstlich amüsieren und die eine oder andere eigene Familienepisode zum Besten geben. Die treffenden Bleistift-Illustrationen von Karsten Teich runden das (Vor-)Lesevergnügen aus diesem schön gestalteten Band noch ab. Gönnen Sie sich und ihrer Familie einen gemütlichen dämmerigen Herbstnachmittag auf dem Sofa, mit Keksen, Kakao und Punsch für die Großen. Und dann lesen Sie dieses Buch vor. Wetten, dass das ein voller Erfolg für alle im Haus wird? Hand drauf! 


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