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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:46

Marjaleena Lembcke: Die Füchse von Andorra

01.11.2010

Was eine Familie braucht

Vater, Mutter, Kinder, viel Liebe und dazu Glück, das genügt, um das Leben zu meistern, denkt man. So einfach ist das Leben aber nicht. Es gibt Unglück, das niemand vermeiden kann. Mit dem Unglück umgehen, ist die eigentliche Herausforderung. Man kann sie meistern! Von MAGALI HEISSLER

 

Sophie hat drei Geschwister, aber sie haben alle vier am gleichen Tag Geburtstag. Dass sie Vierlinge sind, fanden alle immer besonders schön, dass sie alle vier so unterschiedlich sind, auch. Jonathan ist groß und klug, Felix ist kleiner, auch nicht dumm, aber sein Hauptinteresse gilt dem Essen, was man ihm ansieht. Sophia ist die Vernünftigste, schließlich ist sie die Älteste. Und Frederike, die Jüngste, Kleinste und Langsamste, was das Denken angeht, ist wie zum Ausgleich ein ganz besonderes Mädchen. Oft versteht sie gar nichts, aber zuweilen trifft sie genau dann den Kern einer Sache. Mit den Eltern kommen die Vier wunderbar zurecht, der Vater ist Taxifahrer, vor allem aber ist er Geschichtenerfinder. Keines der Geschwister kann da widerstehen. Mutter gibt Nachhilfestunden und hat einen pragmatischen Blick auf die Dinge. Das finden alle richtig, eine muss schließlich dafür sorgen, dass alles läuft.

 

Der Alltag läuft auch. Die größte Sorge, die Sophia plagt, ist die Sache mit Alice, einer Klassenkameradin. Sie wäre zu gern mit Alice befreundet, aber Alice benimmt sich eigentümlich. Doch Sophie hofft. Die Sache mit Alice beschäftigt sie so sehr, dass ihr erst langsam klar wird, dass ihre Mutter sich ebenfalls merkwürdig benimmt. Sie erledigt manches im Haushalt nicht mehr, schließt sich im Schlafzimmer ein, will mit niemandem sprechen. Ob das an den Füchsen von Andorra liegt, ein Ausdruck, den Frederike in einer Unterhaltung von den Erwachsenen aufgeschnappt hat?

 

Ein Urlaub in Finnland soll allen Erholung bringen. Das tut er auch, aber die Idylle währt nur kurz. Kaum hat die Schule wieder angefangen, wird Mutter ernsthaft krank. Die Familie muss ihr Zusammenleben neu ordnen.

 

Schleichendes Unglück

In kleinen Episoden erzählt Lembcke diese Familiengeschichte, die sich fast über zwei Jahre erstreckt. Es beginnt als ganz normaler Kinderalltag, konsequent aus dem Blickwinkel der zehnjährigen Ich-Erzählerin geschildert. Geschwisterliebe, Geschwisterstreit, seltsame und weniger seltsame Verhaltensweisen von Erwachsenen, die die Kinder mit Geduld, aber auch echter Verblüffung registrieren, was für manchen Lacher sorgt. Eine liebende und geliebte Tante, die einen wundervollen Urlaub in einem sagenhaften Land namens Finnland organisiert, ein Paradies, das alles hält, was es versprochen hat.

 

Die Brüche und Unsicherheiten machen sich nur langsam bemerkbar. Tatsächlich behüten die Erwachsenen die Kinder vor dem Schlimmen so lange es geht. Als es nicht mehr geht, kommt die Aufklärung. Sie ist behutsam, aber so geschickt gemacht, dass auch sehr junge Leserinnen und Leser sie sofort verstehen und darüberhinaus in die Lage versetzt werden, im Nachhinein die Zeichen zu deuten. Die Krankheit der Mutter, eine Depression, wird mit knappen Worten, aber eindringlich und genau geschildert. Es geht hier nicht ums Erschrecken, sondern um Verständnis.

 

Dass Alice Ähnliches mit einem Elternteil mitmacht, wie Sophie, wäre aufgesetzt, wirkte Lembckes schlichte Erzählweise dem nicht entgegen. Was der Autorin gelingt, ist, beim Erzählen Glück und Leid dieser Familie so gut zu mischen, dass verständlich wird, dass beides zum Leben gehört, Leid aber Glück nicht zerstört. Tatsächlich bleibt nach dem Lesen beides in Erinnerung, die hellen und die dunklen Tage, die Sophie und ihre Geschwister erleben.

 

Natürlich wird auch das Geheimnis des rätselhaften Titels gelöst, ein feiner Kniff und eines der vielen Wortspiele und Sprachspielerein, die sich Lembcke ganz sicher auch zum Vergnügen ihrer künftigen kleinen Leserinnen und Leser in diesem Buch erlaubt.

 

Sehr gelungen ist die Covergestaltung von Kathrin Schärer, die sehr originell - die vier Kinder sitzen mit dem Rücken zum Publikum! - die tragenden Motive der Geschichte umsetzt und die zugrundeliegende Atmosphäre auf den Punkt genau einfängt.


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Kommentar:
Sophie heißt Sophie und nicht Sophia und Alice ist nicht in ihrer Klasse!!!
| von Sofa, 27.01.2011

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