Fotorealismus, fast jedenfalls
Anke Kuhls Bilder bestechen durch ihre historische Genauigkeit. Jedes Detail stimmt, seien es die Turnhosen, die unter den Achseln kneifen, die formschönen, natürlich selbstgestrickten Pudelmützen oder die ledernen Schulranzen. Ältere Betrachter werden sich mit Vergnügen oder auch schaudernd zurückerinnern an eine Zeit, in der die Puppe unter dem spärlich geschmückten Weihnachtsbaum noch wahre Begeisterungstürme hervorrief und eine auf den Hof gestellte Zinkbadewanne höchstes Badevergnügen an heißen Sommertagen versprach. Das ist Nostalgie pur, aber mit Augenzwinkern, denn ihre Figuren kommen als liebevolle Karikatur daher mit ihren großen Glubschaugen.
Und so ist dieses Bilderbuch ist ein wahrer Glücksgriff für alle Enkel-Großmutter-Beziehungen, denn es erfüllt gleich mehrere Funktionen. Zunächst einmal ist es hervorragend als Geschenk an die Oma geeignet, Tränen der Rührung ebenso wie herzhaftes Lachen garantiert. Dann bietet es eine wunderbare Gesprächsgrundlage über Kindheit gestern und heute, denn ähnliche Bilder hat jeder ältere Mensch irgendwo im Regal. Was ist spannender als die eigene Familiengeschichte? Und so kann man sich lebhaft vorstellen, wie das Bilderbuch zur Seite gelegt wird und Oma ihr eigenes, hoffentlich noch vorhandenes Fotoalbum aus dem Schrank holt und die Bilder mit ihrem Leben füllt, mit Namen, Orten, Ereignissen. Damit die Enkel sich erinnern, woher sie kommen.

