Vater-Sohn-Geschichten
Wolfdietrich Schnurre hat seine Kindheit und Jugend in Berlin verbracht und seine eigenen Erlebnisse 1958 unter dem Titel Als Vaters Bart noch rot war veröffentlicht. In diesem »Roman in Geschichten« schildert er Episoden, in denen der Vater eine zentrale Rolle einnimmt, zum Helden und Vorbild des kleinen Bruno wird. Geschichten voller Wärme, die einem nahegehen. Sie wirken auch heute noch lebensnah und glaubwürdig, »weil ich mit Bruno, dem kleinen Jungen, der es erzählt, identisch bin und die Zeit und den Zeithintergrund damals aus eigener Anschauung kenne«, wie Schnurre bekannte.
Und wenn es einen Illustrator gibt, der das Berlin der 20er Jahre mit all seinem Glanz und Elend in Szene zu setzen vermag, ist es Klaus Ensikat. Jedes Detail von der »Chlorodont«-Werbung auf den Doppeldeckerbussen, den Utensilien auf dem Schreibtisch des Museumsdirektors (der leider auch keine Arbeit für den Vater hat) oder dem Blick in das triste Innere des Pfandleihhauses mit den kleinen Schätzen, von denen sich ihre Besitzer trennen mussten, ist sorgfältig recherchiert und liebevoll platziert. Bilder, die Berlin und Menschen, die dort in schwierigen Situationen klar kommen müssen, lebendig werden lassen. »Meine Bilder? Ein bisschen Tinte auf Papier.« Hat sich Ensikat einmal selbst zu seiner Kunst geäußert. Und irgendwie scheint diese Bescheidenheit bestens mit der Geschichte zu harmonieren, lässt uns Ensikat eine Atmosphäre von Rechtschaffenheit spüren, die die wahren Werte des Lebens erkennen lässt.
Nur zwei Tage währt das Weihnachtsglück mir der Tanne. Zwei Tage, die reichen, um glücklich zu sein, weit über Weihnachten hinaus. Der erwachsene Bruno kehrt viele Jahre später an den Ort zurück, an den sie ihren Weihnachtsbaum zurückgebracht haben. Dort staunt er über einen Baum, »gut zwei Stock hoch«. Und Ensikat hat in das sommerliche Idyll einen kleinen goldenen Weihnachtsstern geschmuggelt …

