Alex Cousseau / Natalie Choux: Mammuts, Monster, Marsmenschen und meine kleine Schwester
24.01.2011
Auch Mammuts haben Fantasie
Ein Bilderbuch, in dem von der Hauptperson gleich zu Beginn behauptet wird, dass sie eigentlich gar nicht existiere, ist recht ungewöhnlich. Genau diese unglaubliche Behauptung benutzen die Franzosen Alex Cousseau (Text) und Natalie Choux (Illustrationen) als Auftakt für eine fantastische Reise in die Welt der Bücher. Von BEATE MAINKA.
Es fängt also damit an, dass eine Mammutfamilie in trauter Eintracht beim Mittagessen sitzt, was ja in einem Bilderbuch nicht unbedingt außergewöhnlich ist. Allerdings behauptet Papa Mammut, dass es sie so überhaupt nicht gibt, die Mammuts seien schon vor sehr langer Zeit verschwunden. Das will Mammut Junior nun aber genauer wissen und wie immer, wenn er eine schwierige Frage stellt, nimmt ihn Papa bei der Hand und geht mit ihm auf die Straße, denn da kann man alles viel besser erklären.
Diese ist von allerlei merkwürdigen Tiergestalten bevölkert und das hat einen Grund. Man befinde sich nicht in der realen Welt, sagt Papa, sondern in einem Buch. Dessen Seiten werden von einem Autor erdacht und von einer Zeichnerin bildlich umgesetzt, mit mehr oder weniger gutem Ergebnis, denn das Monster, das gerade auf einem Schaf vorbeireitet, findet das kleine Mammut nur mäßig gelungen. Und so philosophieren Vater und Sohn weiter von der Fantasie des Autors und was dabei alles herauskommen kann, währenddessen die Zeichnerin eifrig bemüht ist, die Ideen der Beiden bildlich umzusetzen. Ganz am Ende fordert der Kleine eine Schwester, aber dabei kann der Autor nun wirklich nicht helfen, oder?
Knallbunte Fantasiewelt
Zugegeben, ein wenig schräg ist die Geschichte schon, sowohl der kleine als auch der große Leser werden zunächst stutzen, denn da sind sie doch, die Mammuts. Doch allmählich entwickelt die Geschichte einen ganz eigenen Sog, denn die Szenerien werden immer fantastischer und überbieten sich an Skurrilität. Immer neue Details gibt es zu entdecken, lauter Kinder auf der Straße mit Puppenköpfen, einen ganzen Teich voller Frösche, die sich allerlei Freizeitvergnügungen hingeben, das Märchenland wird kurz gestreift und über die fliegende Suppenterrine wundert man sich dann auch schon nicht mehr. Ganz am Ende wird es dann noch einmal realistischer, denn da liegt das Mammutkind, ganz normal, in seinem Bett, aber die Dinge, die ihn in seinem Zimmer umgeben, die haben wir doch alle schon mal auf den vorherigen Seiten gesehen. Dichtung oder Wahrheit, was denn nun?
Fantasievolle Liebe zum Detail
Die besondere Stärke des Bilderbuches liegt allerdings in den hinreißenden, kräftig bunten Illustrationen von Natalie Choux, die es meisterhaft versteht, den absurden Gedankengängen des Autors Gestalt zu verleihen. Da fragt man sich unvermittelt, wessen Fantasie mehr überbordet. Jede Doppelseite ist eine Welt für sich, bevölkert mit allerlei merkwürdigen Gestalten und schnurrigen Details. Da ist der Goldfisch im Vogelbauer im heimischen Mammut-Wohnzimmer noch relativ normal. Kinder jedenfalls werden ein diebisches Vergnügen daran haben, die zahlreichen Details zu entdecken und – denn dazu lädt die Ausgangskonstellation ja ein – die Qualität der Illustrationen zu kommentieren. Und wenn erwachsene Vorleser ein Problem mit der Absurdität der Geschichte haben, macht das überhaupt nichts, spätestens bei den Bildern kommen Kind und Erwachsener wieder auf einen Nenner, denn deren Charme kann sich keiner entziehen, der auch nur einen kleinen Hauch von Humor in sich verspürt. Eigentlich schade, dass es diese Mammuts nicht wirklich gibt …


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