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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:51

Willi Fährmann / Gabriele Hafermaas: Das Hühnerwunder

25.07.2011

Von Hühnern und Wundern

Über 2000 km liegen zwischen Xanten am Niederrhein und Santiago de Compostela. Moderne Jakobuspilger fliegen davon den längsten Teil, doch vor »vielen hundert Jahren« musste das Geschäft an die Gesellen übergeben werden und ein monatelanges Pilgern konnte beginnen. In Das Hühnerwunder nehmen uns Willi Fährmann (Text) und Gabriele Hafermaas (Zeichnungen) mit auf den weiten Weg nach Santiago – allerlei Abenteuer inklusive. Von JOHANNES BROERMANN

 

Ein erstes Wunder geschieht gleich zu Beginn und hat mit Hühnern wenig zu tun: der kleine Jakob, einziges Kind seiner Eltern, ist schwer erkrankt. Kein Arzt kann ihm helfen. Erst die Fürsprache der Mutter beim Apostel Jakobus im Dom zu Xanten lässt den Jungen gesunden. Aus Dankbarkeit beschließt der Vater, eine Pilgerfahrt zum Jakobsgrab in Spanien zu unternehmen. Es dauert allerdings einige Jahre, bis die Familie tatsächlich aufbricht, der kleine Jakob ist da schon ein junger Mann geworden und hatte sich in die Tochter des Bierbrauers verliebt.

 

Bis zur Abreise glaubt selbst die Mutter nicht, dass die Familie wirklich losgeht. Das schönste Huhn und der schönste Hahn ihrer Zucht müssen dann aber auch mit – sie hatte in all’ den Jahren am 25. Juli zum Jakobstag zwei Hühner den Armen gespendet. So sollte es auch in diesem Jahr sein. Mit dem Käfig auf dem Rücken erweckt sie einiges Aufsehen und ihr Federvieh wird bewundert und beneidet.

 

Wunder über Wunder!

Eines Abends, schon in Spanien, kehrt die Familie in einem Gasthaus ein. Sowohl der Wirtstochter als auch ihrem Vater gefällt Jakob sehr. Der Wirt bietet ihm die Hochzeit, das Gasthaus, einen Weinberg und eine Schafsherde an, damit der bleibt. Doch Jakob lehnt ab, schläft schlecht und denkt an seine Liebste in der Heimat. Am nächsten Morgen gehen Jakobs Eltern voraus und der junge Mann bleibt noch im Gasthaus, um die Hühner zu füttern und später aufzubrechen. Als er endlich unterwegs ist, halten ihn schon bald die Stadtsoldaten auf und er wird als vermeintlicher Dieb überführt: die Wirtstochter hatte ihm unbemerkt einen Silberbecher ins Gepäck gesteckt. Jakob wird in einen Kerker gesperrt und soll gehängt werden.

 

Bevor der Richter sein Urteil sprechen will, verlangt er, dass das Geflügel aus Xanten für ihn gebraten wird. Die Eltern vermissen ihren Sohn und eilen zurück, flehen den Richter um Gnade an. Dieser, sicher, dass das Huhn auf seinem Teller nicht wieder lebendig werden kann, verspricht Freiheit für Jakob, wenn der rheinische Hahn wieder kräht und mit dem Huhn herumläuft. Tatsächlich: die Tiere tauchen wieder auf. Die Wirtin hatte sie vor dem Schlachten ausgetauscht – und der Hahn kräht, bis dass die Tochter ihren Racheplan offenbart. Wunder über Wunder!

 

Einfühlsam erzählt das Buch die Legende des Hühnerwunders in Santo Domingo de la Calzada nach. Andere Versionen lassen Jakob erhängen und die Eltern betrübt weiterziehen, um ihn erst auf dem Rückweg wieder lebendig anzutreffen. Auf diese Art »echte« Wunder verzichtet Willi Fährmann und weist mit seiner Version auf die wundersamen Überraschungen im Alltag hin. Unterstützt durch prächtige und detailreiche Illustrationen von Gabriele Hafermaas entsteht so eine eng gewebte Geschichte, die auch nach Jahrhunderten kleine und große Leser rührt.

 



 

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