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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:52

 

Håkan Jaensson: Bolles toller Trick / ab 8

24.03.2004

 


Was tun, wenn die Welt plötzlich aus den Fugen gerät, wenn nichts mehr ist, wie es einmal war?



 

Bolle ist mit seinen Eltern aus dem ländlichen Südschweden nach Stockholm gezogen, weil seine Mutter Karriere machen will. Sie arbeitet bei einer Firma, die sich mit der Effektivierung des Arbeitslebens befasst. Und sie selbst ist unglaublich effizient. Mit einem ausgetüfftelten Terminkalender verwaltet sie geschäftliche und private Angelegenheiten, hat stets alle wichtigen Telefonnummern und Daten parat. Bolles Vater Stellan, ein Architekt, findet dagegen keinen Job. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, immer häufiger kracht es zwischen der erfolgreichen Mutter und dem deprimierten Vater. Der TIME MANAGER ist Mutters Geheimnis zum Erfolg und irgendwann liegt dieses wichtige Utensil unbeobachtet auf dem Küchentisch: die Mutter hat es vergessen. Bolles erster Gedanke ist löblich: er möchte nur nachschauen, o­n seine Mutter vielleicht einen wichitigen Termin eingetragen hat und ihr notfalls telefonisch Bescheid sagen. Aber dann ändert er seinen Plan.
Und für den Freitag, war da was Schönes vorgesehen?
Daheim stand im 19-Uhr-Fach. Stellan unterwegs. Gemütlicher Abend mit
Bolle. Chips.
Bolle holte Bleistift und Radiergummi. Zum Spaß radierte er das 19-Uhr-Fach sauber und schrieb stattdessen ins 17-Uhr-Fach Daheim. Und aus Chips machte er Süßigkeiten. Mamas runde Handschrift konnte man leicht nachmachen.
Er legte den Terminkalender wieder an den Platz zurück, wo er ihn gefunden hatte, ging dann in die Pizzeria hinunter und kaufte sich eine Calzone.
Das Unwahrscheinliche, an das Bolle selbst gar nicht so recht glaubt, passiert.

"Bolle, mein Schatz!"
Es war Freitag und Punkt fünf Uhr (oder 17 Uhr wie im Time Manager stand). Und plötzlich kam Mama Berit in den Flur gewirbelt, mit roten Wangen und nassen Schneeflocken im Haar.
Sie stellte die Einkaufstüten ab und nahm Bolle in die Arme.
Bolle umarmte sie auch, ganz fest, und bohrte das Gesicht in den kuscheligen Webpelz.
"Du bist ja so früh dran!"
Berit packte die Sachen auf der Arbeitsplatte aus.
"Wie geplant!", sagte sie zufrieden.

Der Trick hatte tatsächlich funktioniert. Bolle will Berit noch am gleichen Abend über seine kleine Schummelei aufklären, aber ein elterlicher Streit macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Als kurz darauf sein Vater auszieht, werden Bolles Manipulationen gezielter: er radiert, fügt hinzu, vertauscht Ziffern und bringt den geordneten Tagesablauf seiner Mutter total durcheinander. Die erfolgreiche Managerin ist am Ende ihrer Nerven, das berufliche Aus droht. Bolle weiß, dass sein "toller" Trick eigentlich ein ziemlich mieser Trick ist. Aber wie soll er sich sonst helfen in einer Situation, die aussichtslos erscheint? Sein Eingreifen in das Leben seiner Mutter hat ein bisschen mit Rache zu tun, aber eigentlich will er ja nur, das alles wieder wird wie früher. Der schwedisch Journalist und Kinder- und Jugendbuchautor Håkan Jaensson lässt seinen tapferen Helden zu fragwürdigen Mitteln greifen, um die Ehe der Eltern zu retten. Bolles toller Trick ist auf keinen Fall zur Nachahmung empfohlen, ebenso wenig wie das Kinderbuch den Eindruck vermitteln soll, dass beruflich erfolgreiche Frauen das Ende eines glücklichen Familienlebens bedeuten müssen. Originell, engagiert und natürlich mit Happy End wird dem Leser eine einfühlsame Famlienstory präsentiert mit vielen amüsanten Pannen.

Andrea Wanner


Håkan Jaensson: Bolles toller Trick.
Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer.
Mit Bildern von Heike Herold.
Fischer Schatzinsel Band 85107
Fischer Taschenbuch Verlag August 2002. Gebunden. 122 Seiten.
Ab 8 Jahren. 8,90 ¤.
ISBN: 3-596-85107-6

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