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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:52

Ramesh Hengadi / Shantaram Dhadpe: Das machen wir. Ein Bilderbuch aus Indien

11.04.2011

Entdeckungsreise in ein fremdes Land

Ursprünglich ziert ein simples Do! in weißer Schrift das braune Cover aus handgeschöpftem Papier. Ins Deutsche übersetzt wird der Titel etwas sperriger »Das machen wir« kann man da jetzt lesen und zur weiteren Erklärung des Pronomens »wir« folgt gleich der Untertitel: Ein Bilderbuch aus Indien. ANDREA WANNER hat sich von diesem ungewöhnlichen Bilderbuch begeistern lassen.

 

Kinder wissen sicher nicht viel über den Staat in Südasien, der mit über 1,2 Milliarden Einwohnern das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde darstellt. Und auf die Frage nach den »Warli« werden auch die meisten Erwachsenen passen müssen. Die Warlis sind indische Ureinwohner, ein Volksstamm, der nördlich von Mumbai lebt und heute noch über 300.000 Menschen zählt. Traditionell bemalten die Frauen bei großen Festen die terrakottafarbigen Wände der Hütten mit einer weißen Farbe, die sie aus Reispaste und Wasser herstellen.

 

Die geometrischen Formensprache – Dreiecke und Kreise – und wenigen Linien haben die beiden Künstler Ramesh Hengadi und Shantaram Dhadpe für ihr Bilderbuch übernommen und ein lebendiges Bild einer uns fremden Kultur gezeichnet.

 

Eigenes und Fremdes

Wirklich fremd? Vieles kennen und erkennen wir. Aber doch vielleicht ein bisschen anders. Jede der Doppelseiten auf Recyclingpapier ist mit weißen Bildern zu einem, manchmal zwei Tätigkeitswörtern bedruckt. SÄEN und ERNTEN, TRAGEN, ZIEHEN, ESSEN, LESEN, TANZEN… Das kennen wir alles auch. Und doch entdecken wir Dinge, die es bei uns so nicht gibt, die wir anders machen.

 

Es sind detailreiche Bilder, bei denen sich die Einzelheiten zu einem flächigen Muster zusammenfügen. Die Szenen erzählen von einer Gemeinschaft in einem agrarischen Umfeld, wo noch keine Maschinen die Arbeit übernommen haben, wo das Miteinander noch eine viel größere Rolle spielt. Gemeinsam wird der Acker bestellt, gemeinsam geht man Fischen und zieht die gefüllten Netze an Land, gemeinsam wir gefeiert und getanzt. Tiere gehören zum täglichen Leben, werden für die Arbeit eingesetzt, drohen aber auch als Gefahr. Wer sich auf diese Bilder einlässt, wird jedes Mal ein bisschen mehr entdecken und etwas Neues über diese andere Welt erfahren, in der es kein Fernsehen gibt, keinen Computer und keine Autos, wo man das Essen nicht im Supermarkt kauft und das Wasser aus dem Brunnen geholt werden muss.

 

Wer mag, kann ganz am Ende unter dem Verb ZEICHNEN noch mal genau nachvollziehen, wie die Figuren aufgebaut sind. Und vielleicht bekommt der eine oder die andere Lust, nach dieser Methode selbst Menschen bei den verschiedensten Tätigkeiten aufs Papier zu bannen. Eigentlich ist das gar nicht so schwer.

 

Ein spannendes Projekt

Dass dieses Buch etwas Besonderes ist, spürt man, sobald man es zum ersten Mal in der Hand hält. Es fasst sich anders an, es riecht anders. Es überrascht durch eine geheimnisvolle Andersartigkeit. Anders als sonst bei Büchern, die man hier in den Buchhandlungen kaufen kann, ist auch seine Machart. Das machen wir ist Handarbeit pur. In einer Werkstatt in Indien unter fairen Arbeitsbedingungen im Siebdruckverfahren hergestellt, von Hand gefalzt und gebunden, bringt schon diese Handwerkskunst etwas von der anderen Kultur mit ins Buch. Fast ehrfürchtig blättert man mit diesem Wissen die Seiten um und staunt, dass aus dieser Idee ein Bilderbuch geworden ist.

 

Da wundert es auch nicht, dass der renommierte italienische Kinderliteraturpreis, der »Bologna Ragazzi Award« im vergangenen Jahr  in der Kategorie New Horizons an Do! ging. Alles an diesem Buch ist verblüffend – und am Ende kann man sich nur über den Mut freuen, eine solche bibliophile Kostbarkeit in Kinderhände zu legen.

 

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