Stattdessen wohnen die beiden in einem winzigen, zugigen Loch und Sarah verdient ein bisschen Geld als Hilfslehrerin. Ihr Großvater verspielte 15 Jahre zuvor, kurz vor Sarahs Geburt, nicht nur seinen ganzen Besitz sondern auch seine Seele an den geheimnisvollen Azrael, der jetzt Schlossherr ist. Als Sarah ihre Stellung verliert, macht Azrael ihr ein Angebot: sie soll seine Bibliothek in Ordnung bringen und ihm bei seinen alchimistischen Experimenten zur Hand gehen. Sarah akzeptiert und findet trotz aller Warnungen vor ihrem neuen Dienstherren schnell an dem neuen Leben Gefallen. Die Atmosphäre zwischen den beiden steckt allerdings von Anfang an voll knisternder Spannung, man ahnt dunkle Geheimnisse und gefährliche Abgründe
Er lächelte, während er am Okular saß und das Instrument dem Mond zudrehte und sorgfältig die Brennweite einstellte. "Und was dich angeht, nun, morgen ist Sonntag. Dein freier Tag. Du musst in die Kirche gehen und dann nach Hause."
"Ich habe viel zu lesen", sagte sie ausweichend.
"Das kann warten. Du hast noch ein Leben lang Zeit, das alles zu lesen. Vielleicht mehr."
Sie starrte ihn an, aber er machte sich im Mondlicht Notizen. Schließlich sagte sie: "Und wenn ich nicht hingehen will?"
"Du musst. Sonst sagt mir der Gemeindeklatsch noch Schlimmeres nach. Sarah Trevelyan entführt und gegen ihren Willen festgehalten!"
Er fuhr auf seinem Stuhl herum, sein Gesicht strahlte vor Übermut. "Oder sie behaupten, dass wir ewig um die Seele deines Großvaters Karten spielen!"
Der Gedanke schien ihn zu belustigen. Er stand auf, nahm ein Kartenspiel aus einer Schublade und warf es ihr hin. "Sollen wir, Sarah?"
"Machen Sie darüber keine Witze."
"Ich denke nicht daran! Ich meine es ernst. Heb ab."
Erschrocken fragte sie: "Warum?"
"Mach schon! Wir spielen um einen Einsatz. Dann kannst du besser verstehen, wie mir zu Mute war - wie verwegen, verrückt! Weißt du was - ich setze alle Bücher meiner Bibliothek. Sie könnten alle dir gehören!"
Es kommt tatsächlich so weit, dass Azrael Sarah ein furchteinflößendes Angebot macht: sie und ihr Vater erhalten Darkwater Hall für hundert Jahre zurück, wenn Sarah ihm dafür ihre Seele verspricht.
Catherine Fisher schlägt mit einer ungeheuer spannenden, undurchsichtigen Geschichte in Bann. Wer ist dieser rätselhafte Azrael? Welche Rolle spielt ein mysteriöser Landstreicher, der Sarah angeblich zu warnen versucht? Wer verkörpert in diesem packenden Fantasy-Roman das Gute und wer das Böse? Oder ist diese Frage am Ende gar nicht so einfach zu beantworten? Raffiniert in zwei Teile gegliedert, werden Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander versponnen und am Ende eines packenden Leseabenteuers ist Das Geheimnis von Darkwater Hall gelüftet und trotzdem bleiben viele Fragen offen.
Andrea Wanner
Catherine Fisher: Das Geheimnis von Darkwater Hall.
Deutsch von Irmela Brender.
Oetinger 2002. Gebunden. 224 Seiten.
Ab 12 Jahren. 10,90 ¤.
ISBN: 3-7891-3508-9