Mario Giordano: Engel und Ungeheuer / Bilderbuch ab 5
24.03.2004
Viele Künstler malten Engel.
Oder Ungeheuer.
Oder beides.
So lakonisch beginnt Mario Giordano seinen neuesten Kinderkunstband und stellt darin Engel und Ungeheuer quer durch die Kunstgeschichte vor. "Alle Vernunft ist dagegen, und alles gesunde Empfinden spricht dafür." zitiert er Samuel Butler und eröffnet damit die Diskussion, ob es überhaupt Engel gibt. Aber eigentlich ist das keine Frage, die junge Betrachter beschäftigt. In einem Alter, in dem Fabelwesen einfach als Realität akzeptiert werden, spielt ein Engel mehr oder weniger keine so entscheidende Rolle. Also entdecken wir sie einfach als Putti mit dicken Pausbacken von Raffael, als riesigen, knallbunten Schutzengel aus Kunststoff von Niki de Saint Phalle, als Strichmännchen von Paul Klee oder als übermütigen Knaben von Caravaggio. Und weil das Böse immer ganz in der Nähe des Guten zu finden ist, machen wir uns auf Entdeckungsreise in Hieronymus Boschs absonderliche Bildwelten voller Monster und Gruselgestalten, wagen uns in die Nähe eines Zyklopen von Odilon Redon, eines tobenden Engelungeheuer von Max Ernst oder eines schrecklichen Riesen von Francisco José de Goya.
Giordano begleitet die Bilder mit kurzen, leicht verständlichen Texten, die in wenigen Worten das Wichtige zusammenfassen, was man wissen muss, um die Bilder besser zu verstehen. Der schmale Band wird zum Museum, durch das man immer wieder gerne einen Rundgang macht, um Neues zu finden. Denn wie meint schon José Ortega y Gasset: "Alles in der Welt ist merkwürdig und wunderbar für ein paar wohl geöffnete Augen." Giordano bringt uns mit seinen Büchern das Sehen bei.
Andrea Wanner
Mario Giordano: Engel & Ungeheuer.
Aufbau-Verlag 2002. Gebunden. 64 Seiten, durchgehend farbig illustriert.
Ab 5 Jahren. 20 ¤.
ISBN 3-351-04029-6