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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:55

Kerstin Schoene: Monster gibt es nicht ...

09.05.2011

Lass dich nicht beirren!

Eigene Überzeugungen zu haben, ist etwas Schönes. Es kann aber vorkommen, dass andere diese Überzeugungen nicht teilen. Im schlimmsten Fall steht man ganz allein da mit der eigenen Meinung. Daraus kann nichts werden. Oder etwa doch? fragt MAGALI HEISSLER.

 

Seit Sendaks Wilden Kerlen sind Monster aus den Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. Aus Plüsch oder Plastik, in Buchform oder als Film, die Monster leben unter uns. Man kennt sie in allen Gemütslagen und in allen erdenklichen Situationen. Kerstin Schoene ist es in ihrem ersten Buch gelungen, dem Monsterdasein eine neue und überraschende Facette abzugewinnen. Ihr Monster, ein schreckliches, grünfleckiges, riesengroßes Urvieh mit Geweih, steht einem existenziellen Problem gegenüber. Ein vielstimmiger Chor behauptet, dass es gar keine Monster gibt.

 

Was ein echtes Monster ist, gibt nicht kampflos auf. Das schreckliche, grünfleckige, riesengroße Urvieh mit Geweih macht sich umgehend auf, der Welt zu beweisen, dass es existiert. Dafür lässt es sich allerlei einfallen. Aber die Welt will einfach nicht auf das Monster hören. Da muss selbst ein Monster verzweifeln. Manchmal aber kommt die Rettung tatsächlich noch in allerletzter Minute.

 

Entschlossenheit lohnt sich

Der Held dieser Geschichte ist zupackend, entschlossen und überaus einfallsreich. Er setzt eine regelrechten »Monster gibt es doch!«-Kampagne in Gang. Unermüdlich arbeitet er für sein Ziel. Seine Einfälle sind mit herrlichem Witz umgesetzt, seien es Auftritte mit grimmigstem Gesicht, seien es Plakatierungsaktionen oder das Verschicken von Monsterporträts via roter Luftballons. Die kurzen Texte verbinden dabei nur die Elemente der Handlung. Die eigentliche Geschichte, die Einfälle und Bemühungen des Monsters und die darauffolgenden Reaktionen der Menschen liest man aus dem Mienenspiel und der Körperhaltung der Figuren, vornehmlich der Hauptfigur. Ihre Entschlossenheit spiegelt sich darin ebenso wider, wie die schleichende Resignation und die Beinahe-Kapitulation.

Dadurch, dass sich die Geschichte auf eine einzige große Figur konzentriert, wird es Kindern möglich gemacht, nicht nur sehr schnell mit dem geplagten Monster Mitgefühl zu entwickeln, sondern sich auch mit ihm zu identifizieren.

 

Die Situation, dass man genau weiß, dass man recht hat, es einem aber niemand glaubt, erleben Kinder schon in sehr jungen Jahren. Dass man deswegen nicht aufgeben muss und die eigene Meinung ändern, nur weil andere lauter schreien, ist eine wichtige Erkenntnis, die sie aus diesem Buch mitnehmen.

 

Monster gibt es doch!

Entstanden sind die rundum lustigen Illustrationen via Grafiktablett, das überzeugend die Illusion vom Einsatz von Pinseln und Stift vermittelt. Sie wirken natürlich, geradezu lässig hingemalt, ihre Präzision, die Gliederung des Raums und der bestechende Farbensinn aber sind klare Indikatoren dafür, wie viel Überlegungen und Mühe hinter diesem gelungenen Ergebnis stecken. Der Einfallsreichtum der heldenhaften Hauptfigur scheint unerschöpflich und macht die Beschäftigung mit diesem Buch zu einem kurzweiligen und höchst spannenden Zeitvertreib. Der Kniff am Ende schließlich ist ebenso überraschend wie herzerwärmend und lässt dieses Bilderbuch zu einem von der Sorte werden, das man, kaum zu Ende gelesen, stracks wieder von vorne anfängt. Weil es von einem Monster handelt. Und davon, dass es sich lohnt, gegen alle Widerstände zu den eigenen Überzeugungen zu stehen.


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