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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:56

 

Tucker Shaw: Cyril oder: Wie schmeckt die Liebe?

25.03.2004

 



Die aufregendste und originellste Liebeskomödie seit langem


Was aussieht wie eine Liebegeschichte ist zusätzlich ein kleines Kochbuch, eine wahre Fundgrube an amerikanisch angehauchten Rezepten.




 

Wie schmeckt die Liebe? Süß wie Küchentischkekse, kräftig wie Mitternachts-Rühreier mit Speck oder raffiniert wie ein Salat aus Ruccola und Blutorangen? Cyril hat seine eigene Vorstellung davon und würde für sein Leben gern dem Mädchen, in das er verliebt ist, ein ganz besonderes Menü zubereiten. Denn kochen kann Cyril besser als alles andere. Keiner ahnt es, denn Cyril spricht nicht darüber. Er kocht und genießt – und damit hängt schon sein großes Problem zusammen: Cyril ist zu dick. So ist er der einsame, schweigende Genießer, der die selbst produzierten Leckerbissen als Kochkünste seiner Mutter ausgibt. Oder noch schlimmer: der gutmütig seine Kunst in den Dienst seines besten Freundes stellt. Denn Nick ist ausgerechnet in dasselbe Mädchen verknallt wie Cyril und er schreckt nicht davor zurück, sich bei ihrer Eroberung mit fremden Lorbeeren zu schmücken. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen und bei Rose scheint das hervorragend zu funktionieren.

Tucker Shaw erzählt eine Liebesgeschichte, die man sich wahrlich auf der Zunge zergehen lassen kann. Ohne Hemmung vor Romantik jongliert er sich durch die Story, mischt die Zutaten, probiert, würzt nach, probiert wieder und serviert uns die aufregendste und originellste Liebeskomödie seit langem. Der 105-Kilo-Mann und das zarte Mädchen sind „gute Freunde“, und ausgerechnet ihm schüttet sie ihr Herz aus, wenn sie Kummer hat. Er bäckt voller Hingabe eine Aufsehen erregende Schokoladen-Geburtstagstorte mit weißem Guss, die sein Freund Nick Rose im Park überreicht, er dekoriert die Pergola in orientalischem Rot und Gold, wo Nick Rose näher kommen möchte. So viel edle Zurückhaltung gehört bestraft – und wird bestraft. In der Zwischenzeit läuft einem beim Lesen aber Seite um Seite das Wasser im Mund zusammen und wäre es nicht gerade so schrecklich spannend, würde man gern in die Küche und Cyrils Rosinenbrot nachbacken oder die scharfe Tomatensuppe herstellen. Denn was aussieht wie eine Liebegeschichte ist zusätzlich ein kleines Kochbuch, eine wahre Fundgrube an amerikanisch angehauchten Rezepten, die man je nach Lust und Laune – und Situation – ausprobieren kann. Doppelter Genuss vom Feinsten!

Andrea Wanner

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Tucker Shaw: Cyril oder: Wie schmeckt die Liebe? Aus dem Amerikanischen von Ulla Höfker. Arena 2004. Gebunden. 224 Seiten. Ab 13 Jahren. 12,90 Euro. ISBN: 3-401-05637-9

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