Wer Erwin Grosche ins Badezimmer begleitet, merkt schnell, dass dort auch der Raum für herrliche Gedichte und Geschichten ist. Wer hat sich vorher schon einmal Gedanken über das Schicksal einer Klopapierrolle gemacht? Grosche tut's und wie das Papier auf der Rolle langsam schwindet und am Schluss eine wundervolle Bastelrolle übrigbleibt, sieht man schon an der von Vers zu Vers kleiner werdenden Schrift. Keine Lust auf Zähneputzen? Mit einem Zahnputzlied fällt es kinderleicht. Aber auch Schwamm und Seife, Fön und Dusche, ja sogar die Toilettenspülung haben ihren großen Auftritt in Grosches liebenswerten kleinen Nonsensreimereien.
Der Badewannenkapitän hat seinen Arbeitsplatz allerdings nicht im Badezimmer. Kaum zu glauben, aber er sitzt mitten im Büro in Kapitänsuniform in seiner Badewanne und ist glücklich. So glücklich, dass es einfach ansteckend wirkt, und am Ende das ganze Büro nur noch von Badewannenkapitänen und -kapitäninnen bevölkert ist. Stoff für seine Geschichten und Gedichte findet Grosche überall: in der Küche, wo er den Kühlschrank besingt, vor der Tür, wenn er sich einen Fußabstreifermattentwist ausdenkt, am Strand, wo er ausgefallenes Strandgut sammelt. Am schönsten aber ist, dass der kleine Band dazu anregt, selbst mit Sprache zu spielen. Eine Seite mit Märchen-Adressen präsentiert bunte Post, die an "Familie Geislein, Im Uhrenkasten 7 in 38444 Wolfsburg" geht oder an "Dornröschen, Schlafplatz 100 in 07980 Prinzenkussdorf"
Wer hat eine Idee, wo Rapunzel wohnen könnte oder Rumpelstilzchen? Spannend sind auch die Lärmgedichte und Mitmachgeschichten, wo Anweisungen wie beim Staubsaugergedicht (Sprich dieses Gedicht mal so, als wärest du der Staubsauger und saugtest alles in dich hinein. Atme also die Wörter ein. Wahrscheinlich wird dies sehr lustig klingen.) garantiert für Spaß sorgen. Dazu hat Dagmar Geisler mit vielen witzigen und farbenfrohen Illustrationen die wunderlichen Situationen, merkwürdigen Begebenheiten und ungewöhnlichen Alltagsgegenstände in Szene gesetzt. Das Normale mit neuen Augen sehen, Gewohntes in Frage stellen und der Welt neugierig begegnen: das Duo Grosche/Geisler macht es einem leicht. Wer weiß, vielleicht setzt sich sogar einmal die vorgeschlagene Kinderrechtschreibreform durch:
Das Schaaaf
Ab heute wird das Schaf im Winterfell SCHAAAF geschrieben, also mit drei A. Nach dem Scheren der Schafe, der Schur, wird das leicht geschorene Schaf mit zwei A geschrieben, also SCHAAF, während die Radikalschur das Schaf ohne A entlässt: als SCHF.
Andrea Wanner
Erwin Grosche / Dagmar Geisler: Der Badewannenkapitän.Gedichte und Geschichten für Kinder.
dtv junior extra 2002. Originalausgabe. Broschiert. 160 Seiten, farbig illustriert.
Ab 4 Jahren. 12,50 ¤.
ISBN: 3-423-70736-4